Zucker oder Süßstoff: Was ist besser?
Von Olaf Henning
Zucker und Süßstoffe werden oft so diskutiert, als gäbe es nur zwei Lager: „Zucker ist schlecht“ oder „Süßstoff ist gefährlich“. Sinnvoller ist eine nüchterne Einordnung: Entscheidend sind Menge, Häufigkeit, Lebensmittelqualität, Gesundheitsziel und die gesamte Ernährung.
Kurz gesagt
Für die meisten Menschen ist nicht die Frage „Zucker oder Süßstoff?“ entscheidend, sondern: Wie oft, wie viel und in welchem Ernährungsmuster? Freie Zucker sollten begrenzt werden; in Deutschland orientieren sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) an der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO), freie Zucker auf weniger als 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen.1,2
Süßstoffe können helfen, Zucker und Kalorien kurzfristig zu reduzieren, sind aber keine automatische Gesundheitslösung. Die WHO empfiehlt Nicht-Zucker-Süßstoffe nicht als langfristige Strategie zur Gewichtskontrolle oder zur Senkung des Risikos ernährungsmitbedingter Erkrankungen.4
Praktisch heißt das: Wasser, ungesüßter Tee, Kaffee ohne oder mit wenig Süße und eine insgesamt vollwertige Ernährung sind meist sinnvoller als der dauerhafte Wechsel von sehr süß zu „zuckerfrei, aber weiterhin sehr süß“.
Was ist der Unterschied zwischen Zucker und Süßstoff?
Zucker liefert Energie. Haushaltszucker besteht aus Saccharose, also aus Glukose und Fruktose. Zucker kann natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen, zum Beispiel in Obst oder Milchprodukten, oder Lebensmitteln und Getränken zugesetzt werden.
Freie Zucker sind besonders relevant für Empfehlungen. Dazu zählen Zucker, die Lebensmitteln und Getränken zugesetzt werden, sowie Zucker in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten.1,2
Süßstoffe schmecken süß, liefern aber keine oder kaum Energie. Dazu gehören zum Beispiel Aspartam, Sucralose, Saccharin, Acesulfam-K, Cyclamat und Steviolglykoside. Davon zu unterscheiden sind Zuckeralkohole beziehungsweise Polyole wie Xylit, Erythrit, Sorbit oder Maltit. Sie liefern meist weniger Energie als Zucker, werden aber in größeren Mengen eingesetzt und können anders wirken als hochintensive Süßstoffe.4,5
| Gruppe | Beispiele | Energie | Alltagseinordnung |
|---|---|---|---|
| Zucker | Haushaltszucker, Glukose, Fruktose, Sirup, Honig, Zucker in Getränken | etwa 4 Kilokalorien pro Gramm (kcal/g) | In kleinen Mengen unproblematisch, bei hoher regelmäßiger Aufnahme ungünstig. |
| Nicht-Zucker-Süßstoffe | Aspartam, Sucralose, Saccharin, Acesulfam-K, Cyclamat, Steviolglykoside | keine oder kaum relevante Energie | Können Zucker ersetzen, sollten aber nicht als langfristige Hauptstrategie für Gewichtskontrolle verstanden werden. |
| Zuckeralkohole / Polyole | Xylit, Erythrit, Sorbit, Maltit | je nach Stoff weniger als Zucker | Können zahnschonender sein, aber größere Mengen können Verdauungsbeschwerden machen; Xylit und Erythrit werden aktuell auch kardiovaskulär diskutiert. |
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Warum zu viel Zucker problematisch sein kann
Die WHO empfiehlt, die Aufnahme freier Zucker bei Erwachsenen und Kindern zu reduzieren. Eine starke Empfehlung lautet, freie Zucker auf weniger als 10 % der gesamten Energiezufuhr zu begrenzen; eine weitere Reduktion auf unter 5 % kann zusätzliche Vorteile bringen, insbesondere mit Blick auf Zahnkaries.1
In Deutschland schließen sich DGE, DAG und DDG der Empfehlung an, freie Zucker auf weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen. Bei einer Energiezufuhr von 2.000 Kilokalorien (kcal) pro Tag entspricht das höchstens etwa 50 Gramm (g) freien Zuckern täglich.2
Das bedeutet nicht, dass einzelne Lebensmittel mit Zucker automatisch „verboten“ sind. Problematisch wird vor allem eine regelmäßige hohe Aufnahme, besonders über süße Getränke, Süßigkeiten, stark verarbeitete Produkte und große Portionsgrößen. Zuckerhaltige Getränke sind ungünstig, weil sie Energie liefern, aber oft nur wenig sättigen.8,9
Wichtig: Obst ist nicht dasselbe wie Limonade
Natürlich vorkommender Zucker in ganzen Früchten ist anders einzuordnen als freie Zucker in Limonade oder Süßigkeiten. Ganze Früchte liefern Wasser, Ballaststoffe, Mikronährstoffe und Volumen. Deshalb sollte die Empfehlung zur Reduktion freier Zucker nicht als Warnung vor Obst missverstanden werden.1,2
Sind Süßstoffe gesünder als Zucker?
Die einfache Antwort wäre bequem, aber falsch: Süßstoffe sind nicht automatisch gesünder als Zucker. Sie können helfen, Zucker und Energie einzusparen, wenn sie gezielt und begrenzt eingesetzt werden. Sie machen eine Ernährung aber nicht automatisch ausgewogen.
Die WHO-Leitlinie zu Nicht-Zucker-Süßstoffen kommt zu dem Schluss, dass diese nicht als Mittel zur langfristigen Gewichtskontrolle oder zur Verringerung des Risikos ernährungsmitbedingter Erkrankungen eingesetzt werden sollten.4
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die Studienlage zu häufig eingesetzten Süßstoffen differenziert: Die Mehrheit der betrachteten Studien zeigt keine klaren Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen, gleichzeitig ist die Datenlage für eine abschließende Bewertung nicht ausreichend. Besonders Mischungen, langfristige Nutzung und bestimmte Risikogruppen bleiben wissenschaftlich relevant.5
+Möglicher Vorteil
Wenn jemand täglich viel zuckerhaltige Limonade trinkt, kann der Wechsel zu einer kalorienfreien Variante kurzfristig Zucker und Energie reduzieren.
!Grenze
Wenn weiterhin ständig stark süße Produkte konsumiert werden, verändert sich die Vorliebe für sehr süßen Geschmack oft kaum. Die Ernährung wird dadurch nicht automatisch besser.
Aspartam: Risiko und Einordnung
Aspartam wurde 2023 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, IARC) als „möglicherweise krebserregend für Menschen“ eingestuft. Wichtig ist aber die Einordnung: Die IARC bewertet vor allem, ob ein Stoff unter bestimmten Bedingungen grundsätzlich Krebs verursachen kann. Das ist eine Gefahrenbewertung. Der Gemeinsame Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (Joint Expert Committee on Food Additives, JECFA) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) und der WHO sowie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) bewerten dagegen, welches Risiko bei konkreten Aufnahmemengen zu erwarten ist. JECFA bestätigte 2023 die akzeptable tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) von 0–40 Milligramm (mg) Aspartam pro Kilogramm (kg) Körpergewicht und Tag. Innerhalb dieses Bereichs gilt der Konsum für die allgemeine Bevölkerung weiterhin als sicher.6,14,15
Was bedeutet das praktisch? Bei 60 kg Körpergewicht entspricht die ADI 2.400 mg Aspartam pro Tag, bei 70 kg 2.800 mg und bei 85 kg 3.400 mg. Die WHO nennt als Beispiel: Wenn eine Dose Diät-Softdrink etwa 200–300 mg Aspartam enthält, müsste eine 70-kg-Person mehr als 9–14 Dosen pro Tag trinken, um diese Grenze zu überschreiten – vorausgesetzt, es kommen keine weiteren Aspartamquellen dazu.6
| Körpergewicht | ADI bei 40 mg/kg Körpergewicht | Anschauliche Einordnung |
|---|---|---|
| 60 kg | 2.400 mg Aspartam/Tag | Bei 200–300 mg pro Dose Diät-Softdrink entspräche das grob 8–12 Dosen pro Tag. |
| 70 kg | 2.800 mg Aspartam/Tag | WHO-Beispiel: mehr als 9–14 Dosen pro Tag, wenn keine weiteren Quellen dazukommen. |
| 85 kg | 3.400 mg Aspartam/Tag | Bei 200–300 mg pro Dose Diät-Softdrink entspräche das grob 11–17 Dosen pro Tag. |
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JECFA nennt für Erwachsene typische geschätzte Aufnahmen von im Mittel bis zu 5 mg/kg Körpergewicht pro Tag und bei hoher Aufnahme bis zu 12 mg/kg Körpergewicht pro Tag. Das liegt deutlich unter der ADI von 40 mg/kg Körpergewicht pro Tag. Für die meisten Menschen ist also nicht die gelegentliche Aspartamaufnahme das zentrale Ernährungsthema, sondern die gesamte Ernährungsqualität und die Frage, ob sehr süße Gewohnheiten dauerhaft bestehen bleiben.14
Eine wichtige Ausnahme sind Menschen mit Phenylketonurie. Für sie gilt die ADI nicht in gleicher Weise, weil sie Phenylalanin streng begrenzen müssen. Aspartam enthält Phenylalanin und muss bei Phenylketonurie gemieden beziehungsweise streng kontrolliert werden.6,15
Sucralose und Erhitzen
Bei Sucralose ist vor allem die Anwendung wichtig. Das Problem ist nicht jede normale Verwendung in kalten oder nicht stark erhitzten Produkten, sondern besonders das starke Erhitzen. Das BfR weist darauf hin, dass beim Erhitzen sucralosehaltiger Lebensmittel über längere Zeit und insbesondere oberhalb von etwa 120 Grad Celsius (°C) chlorierte Verbindungen mit gesundheitsschädlichem und krebserzeugendem Potenzial entstehen können. Fürs Backen, Braten oder starkes Erhitzen ist Sucralose daher vorsichtig zu bewerten.7
Xylit und Erythrit: natürlich, aber nicht automatisch harmlos
Xylit und Erythrit werden oft als „natürlich“, „zuckerfrei“, „keto“ oder „low carb“ vermarktet. Solche Begriffe können nützlich sein, ersetzen aber keine gesundheitliche Einordnung. Beide gehören zu den Zuckeralkoholen und unterscheiden sich von hochintensiven Süßstoffen.
Für Erythrit wurde 2023 in Nature Medicine berichtet, dass höhere Erythritwerte mit einem erhöhten Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse verbunden waren und Erythrit in experimentellen Untersuchungen die Thrombose-Neigung erhöhen konnte. Die Autoren betonten, dass weitere Studien zur langfristigen Sicherheit nötig sind.12
Für Xylit berichteten Witkowski et al. 2024 im European Heart Journal über Zusammenhänge zwischen Xylit, kardiovaskulärem Risiko, erhöhter Plättchenreaktivität und prothrombotischen Effekten. Auch hier ist wichtig: Solche Befunde bedeuten nicht, dass ein einzelnes Xylit-Kaugummi automatisch gefährlich ist. Sie sprechen aber gegen die unkritische Annahme, große Mengen Xylit seien automatisch eine „gesunde“ Zucker-Alternative.13
Praktische Einordnung
Ein zuckerfreies Produkt ist nicht automatisch gesund. Besonders bei größeren Mengen an Zuckeralkoholen, stark verarbeiteten Diätprodukten oder täglichen „zuckerfreien“ Süßigkeiten ist Zurückhaltung sinnvoll. Wer bereits ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hat, sollte große Mengen solcher Produkte besonders kritisch betrachten.
Was ist im Alltag besser?
Die beste Antwort hängt vom Ziel ab. Wer sehr viel Zucker konsumiert, profitiert meist davon, freie Zucker Schritt für Schritt zu reduzieren. Süßstoffe können dabei vorübergehend helfen, sollten aber nicht die einzige Strategie sein.
| Situation | Eher sinnvoll | Warum? |
|---|---|---|
| Täglich Limonade oder Energydrinks | Schrittweise reduzieren; Wasser, Tee oder kalorienfreie Varianten als Übergang | Zuckerhaltige Getränke liefern viel Energie und sättigen oft wenig. |
| Ein Teelöffel Zucker im Kaffee | Je nach Gesamternährung meist kein großes Problem | Kleine Mengen sind anders zu bewerten als mehrere süße Getränke pro Tag. |
| Ständiger Heißhunger auf Süßes | Essstruktur, Schlaf, Stress und Protein-/Ballaststoffzufuhr prüfen | Heißhunger ist oft kein reines Zuckerproblem. |
| Abnehmen | Kalorienbilanz und Lebensmittelqualität betrachten | Süßstoff spart nur dann Energie, wenn dadurch nicht an anderer Stelle mehr gegessen wird. |
| Backen mit Sucralose | Vorsicht, besser geeignete Alternativen prüfen | Das BfR rät, Sucralose nicht stark zu erhitzen. |
| Große Mengen Xylit oder Erythrit | Zurückhaltung, besonders bei Herz-Kreislauf-Risiko | Aktuelle Studien werfen Fragen zur langfristigen kardiovaskulären Sicherheit auf. |
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Zucker, Süßstoff und Abnehmen
Für Abnehmen ist entscheidend, ob über längere Zeit eine realistische Energiebilanz entsteht. Zucker zu reduzieren kann helfen, besonders wenn viele Kalorien über Getränke, Süßigkeiten oder Snacks kommen. Süßstoffe können kurzfristig Kalorien einsparen, sind aber keine Garantie für Gewichtsverlust.4,10
Ein typisches Problem: Man ersetzt Zucker durch Süßstoff, hält aber am sehr süßen Geschmack und an stark verarbeiteten Produkten fest. Dann ändert sich zwar die Kalorienmenge einzelner Produkte, aber nicht unbedingt das Essverhalten.
Mehr Struktur beim Abnehmen oder bei Ernährung im Alltag?
Wenn du nicht nur einzelne Lebensmittel austauschen, sondern deine Ernährung alltagstauglich strukturieren möchtest, können ein konkreter Ernährungsplan oder individuelles Ernährungscoaching sinnvoll sein.
Transparenzhinweis: Diese Links führen zu eigenen oder verbundenen externen Angeboten. Die Empfehlung erfolgt nur, weil sie fachlich zum Thema Ernährung, Abnehmen und alltagstaugliche Umsetzung passt.
Praktische Empfehlungen
1Getränke zuerst prüfen
Wenn du regelmäßig Zucker trinkst, liegt hier oft der größte Hebel: Limonade, Säfte, Eistee und gesüßte Kaffeespezialitäten können viel freie Zucker liefern.
2Süße langsam reduzieren
Statt alles sofort zu verbieten, reduziere Süße schrittweise. Das macht die Umstellung oft alltagstauglicher.
3Nicht auf „zuckerfrei“ hereinfallen
Zuckerfrei bedeutet nicht automatisch nährstoffreich, sättigend oder gesund. Prüfe das gesamte Lebensmittel.
Meine nüchterne Empfehlung
Nutze Zucker bewusst und in moderaten Mengen. Nutze Süßstoffe, wenn sie dir helfen, Zucker zu reduzieren – aber nicht als tägliche Hauptstrategie, um stark süße Gewohnheiten dauerhaft beizubehalten. Die langfristig stärkste Lösung ist meist: weniger stark gesüßte Lebensmittel, mehr unverarbeitete Lebensmittel, mehr Struktur im Alltag.
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Häufige Fragen (Frequently Asked Questions, FAQ): Zucker und Süßstoff
Was ist besser: Zucker oder Süßstoff?
Keines von beiden ist automatisch besser. Zucker liefert Energie und sollte vor allem als freier Zucker begrenzt werden. Süßstoffe liefern kaum Energie, sind aber keine automatische Gesundheitslösung. Entscheidend sind Menge, Häufigkeit und die gesamte Ernährung.
Wie viel Zucker pro Tag ist okay?
Die WHO empfiehlt, freie Zucker auf weniger als 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. DGE, DAG und DDG schließen sich dieser Empfehlung für Deutschland an. Bei 2.000 kcal pro Tag entspricht das maximal etwa 50 g freien Zuckern.
Sind Süßstoffe gefährlich?
Zugelassene Süßstoffe werden vor der Zulassung bewertet. Gleichzeitig ist die Studienlage zu langfristigen Effekten, Kombinationen und bestimmten Risikogruppen nicht in allen Punkten abschließend. Deshalb ist ein maßvoller Umgang sinnvoll.
Wie viel Aspartam ist laut akzeptabler täglicher Aufnahmemenge erlaubt?
Die von JECFA und EFSA verwendete ADI liegt bei 40 mg pro kg Körpergewicht und Tag. Das entspricht bei 70 kg Körpergewicht 2.800 mg Aspartam pro Tag. Laut WHO-Beispiel müsste eine 70-kg-Person bei 200–300 mg Aspartam pro Dose Diät-Softdrink mehr als 9–14 Dosen pro Tag trinken, um diese Grenze zu überschreiten, sofern keine weiteren Aspartamquellen dazukommen.
Hilft Süßstoff beim Abnehmen?
Süßstoff kann kurzfristig helfen, Zucker und Kalorien einzusparen. Langfristig ist aber entscheidend, ob die gesamte Ernährung, die Kalorienbilanz und das Essverhalten passen. Die WHO empfiehlt Nicht-Zucker-Süßstoffe nicht als langfristige Strategie zur Gewichtskontrolle.
Ist Xylit gesünder als Zucker?
Xylit liefert weniger Energie als Zucker und kann zahnschonende Vorteile haben. Es ist aber nicht automatisch harmlos, besonders nicht in großen Mengen. Aktuelle Studien werfen Fragen zur kardiovaskulären Sicherheit von Xylit auf.
Ist Erythrit unbedenklich?
Erythrit wird häufig als kalorienarme Zuckeralternative genutzt. Neuere Studien berichten jedoch Zusammenhänge mit kardiovaskulären Ereignissen und erhöhter Thrombose-Neigung. Das bedeutet nicht, dass kleine Mengen automatisch gefährlich sind, spricht aber gegen eine unkritische Nutzung großer Mengen.
Kann ich Sucralose zum Backen verwenden?
Das BfR rät zur Vorsicht beim starken Erhitzen von Sucralose. Besonders oberhalb von etwa 120 °C können chlorierte Verbindungen entstehen. Für Backen oder starkes Erhitzen sollte Sucralose daher nicht unkritisch verwendet werden.
Fachliche Einordnung
Dieser Beitrag wurde von Olaf Henning erstellt. Olaf ist M.Sc. Clinical Exercise Science, M.A. Sportwissenschaft und B.Sc. Sport und Leistung. Auf Fitness Einfach Erklärt verbindet er sportwissenschaftliche und gesundheitsbezogene Einordnung mit verständlicher, alltagstauglicher Sprache.
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Ernährungsberatung oder medizinische Beratung. Bei Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Essstörungen, Schwangerschaft, Erkrankungen des Stoffwechsels, Phenylketonurie oder Unsicherheit sollte die Ernährung individuell fachlich oder medizinisch besprochen werden.
Literatur
- World Health Organization. (2015). Guideline: Sugars intake for adults and children. WHO.
- Ernst, J. B., Arens-Azevêdo, U., Bitzer, B., Bosy-Westphal, A., de Zwaan, M., Egert, S., et al. (2018). Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland. Konsensuspapier von DGE, DAG und DDG.
- European Food Safety Authority Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens. (2022). Tolerable upper intake level for dietary sugars. EFSA Journal.
- World Health Organization. (2023). Use of non-sugar sweeteners: WHO guideline. WHO.
- Bundesinstitut für Risikobewertung. (2023). Süßungsmittel: Mehrheit der Studien bestätigt keine Gesundheitsbeeinträchtigung – allerdings ist die Studienlage unzureichend. Stellungnahme Nr. 004/2023.
- World Health Organization / International Agency for Research on Cancer / Joint Expert Committee on Food Additives. (2023). Aspartame hazard and risk assessment results released. Joint News Release.
- Bundesinstitut für Risikobewertung. (2019/2026). Sucralose: Beim Erhitzen über 120 °C können sich gesundheitsschädliche Stoffe bilden.
- Qin, P., Li, Q., Zhao, Y., Chen, Q., Sun, X., Liu, Y., et al. (2020). Sugar and artificially sweetened beverages and risk of obesity, type 2 diabetes mellitus, hypertension, and all-cause mortality: A dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. European Journal of Epidemiology, 35, 655–671.
- Malik, V. S., & Hu, F. B. (2022). The role of sugar-sweetened beverages in the global epidemics of obesity and chronic diseases. Nature Reviews Endocrinology, 18, 205–218.
- Laviada-Molina, H., Molina-Segui, F., Pérez-Gaxiola, G., Cuello-García, C., Arjona-Villicaña, R., Espinosa-Marrón, A., & Martinez-Portilla, R. J. (2020). Effects of nonnutritive sweeteners on body weight and Body-Mass-Index (BMI) in diverse clinical contexts: Systematic review and meta-analysis. Obesity Reviews, 21, e13020.
- Zhang, R., Noronha, J. C., Khan, T. A., McGlynn, N., Back, S., Grant, S. M., et al. (2023). The effect of non-nutritive sweetened beverages on postprandial glycemic and endocrine responses: A systematic review and network meta-analysis. Nutrients, 15(4), 1050.
- Witkowski, M., Nemet, I., Alamri, H., Wilcox, J., Gupta, N., Nimer, N., et al. (2023). The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nature Medicine, 29, 710–718.
- Witkowski, M., Nemet, I., Li, X. S., Wilcox, J., Ferrell, M., Alamri, H., et al. (2024). Xylitol is prothrombotic and associated with cardiovascular risk. European Heart Journal, 45(27), 2439–2452.
- Joint Food and Agriculture Organization of the United Nations / World Health Organization Expert Committee on Food Additives. (2023). Evaluations of the Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives: Aspartame. JECFA database.
- European Food Safety Authority. Aspartame. EFSA topic page.
Quellenzuordnung
| Aussage / Inhalt | Quelle |
|---|---|
| Definition und Empfehlung zur Reduktion freier Zucker, inklusive weniger als 10 % der Energiezufuhr. | WHO 2015; DGE/DAG/DDG 2018 |
| Freie Zucker sollten im Rahmen einer nährstoffreichen Ernährung möglichst begrenzt werden. | WHO 2015; EFSA 2022; DGE/DAG/DDG 2018 |
| Nicht-Zucker-Süßstoffe werden von der WHO nicht als langfristige Strategie zur Gewichtskontrolle empfohlen. | WHO 2023 |
| Die Datenlage zu Süßstoffen ist laut BfR nicht in allen Punkten ausreichend für eine abschließende Bewertung, besonders bei langfristiger Nutzung, Kombinationen und Risikogruppen. | BfR 2023 |
| Aspartam: IARC-Einstufung als möglicherweise krebserregend, JECFA-Risikobewertung, ADI von 0–40 mg/kg Körpergewicht/Tag und Beispiel mit 9–14 Dosen bei 70 kg Körpergewicht. | WHO/IARC/JECFA 2023; JECFA 2023; EFSA Aspartame topic page |
| Typische geschätzte Aspartam-Aufnahmen bei Erwachsenen liegen laut JECFA im Mittel bis 5 mg/kg/Tag und bei hoher Aufnahme bis 12 mg/kg/Tag und damit unter der ADI. | JECFA 2023 |
| Für Menschen mit Phenylketonurie gilt die Aspartam-ADI nicht in gleicher Weise, weil Phenylalanin streng begrenzt werden muss. | WHO/IARC/JECFA 2023; EFSA Aspartame topic page |
| Sucralose sollte nach BfR-Einordnung nicht stark erhitzt werden, insbesondere nicht über längere Zeit oberhalb von etwa 120 °C. | BfR 2019/2026 |
| Zuckerhaltige Getränke stehen mit höherem Risiko für Gewichtszunahme und ernährungsmitbedingte Erkrankungen in Zusammenhang. | Qin et al. 2020; Malik & Hu 2022 |
| Nicht-nutritive Süßstoffe können je nach Kontext kurzfristig Körpergewicht/BMI beeinflussen, sind aber keine automatische Lösung. | Laviada-Molina et al. 2020; WHO 2023 |
| Erythrit wurde mit kardiovaskulären Ereignissen und erhöhter Thrombose-Neigung in Verbindung gebracht; weitere Forschung ist nötig. | Witkowski et al. 2023 |
| Xylit wurde mit kardiovaskulärem Risiko, erhöhter Plättchenreaktivität und prothrombotischen Effekten in Verbindung gebracht. | Witkowski et al. 2024 |
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