Anatomie · Skelettsystem · Fitness-Ausbildung

Knochen: Aufbau und Funktion einfach erklärt

Knochen geben deinem Körper Form, schützen Organe, ermöglichen Bewegung, speichern Mineralien und sind an der Blutbildung beteiligt. In diesem Artikel erfährst du verständlich, wie das menschliche Skelett eingeteilt wird, welche Funktionen Knochen haben und wie ein langer Röhrenknochen aufgebaut ist.

Autor: Olaf Henning Thema: Knochen Aufbau und Funktion Ziel: Anatomie verständlich lernen

Kurz gesagt

Knochen sind lebendige, gut durchblutete Gewebe. Sie bestehen nicht nur aus „harter Substanz“, sondern aus verschiedenen Bereichen wie Kompakta, Spongiosa, Knochenmark, Knochenhaut und Gelenkknorpel. Besonders gut lässt sich der Aufbau an einem langen Röhrenknochen erklären.1,2,4,5

Das Skelett erfüllt mehrere Aufgaben: Es stützt den Körper, schützt innere Organe, dient als Hebelsystem für Bewegung, speichert Mineralien und ist über das Knochenmark an der Blutbildung beteiligt.1,3,5

Das menschliche Skelettsystem

Der erwachsene menschliche Körper besitzt typischerweise etwas mehr als 200 Knochen. Die genaue Zahl kann je nach Zählweise leicht variieren, weil zum Beispiel Sesambeine, sehr kleine Knochen oder zusätzliche kleine Knochen nicht immer einheitlich mitgezählt werden.1,5

Für das Verständnis des Knochenaufbaus hilft zuerst der Blick auf das gesamte Knochengerüst. Das menschliche Skelett lässt sich grob in zwei große Bereiche einteilen: das axiale Skelett und das appendikuläre Skelett.1,5

Axiales und appendikuläres Skelett

Axiales Skelett

Das axiale Skelett bildet vereinfacht gesagt die zentrale Körperachse. Dazu gehören Schädel, Wirbelsäule, Rippen und Brustbein.1,5

  • Schädel
  • Wirbelsäule
  • Rippen
  • Brustbein
Axiales Skelett mit Schädel Wirbelsäule Rippen und Brustbein
Das axiale Skelett umfasst unter anderem Schädel, Wirbelsäule, Rippen und Brustbein.

Appendikuläres Skelett

Das appendikuläre Skelett umfasst die Knochen der Gliedmaßen und die verbindenden Gürtelstrukturen. Dazu zählen Schultergürtel, Becken sowie obere und untere Extremitäten.1,5

  • Schultergürtel
  • Obere Extremitäten
  • Becken
  • Untere Extremitäten
Appendikuläres Skelett mit Schultergürtel Becken oberen und unteren Extremitäten
Das appendikuläre Skelett umfasst Schultergürtel, Becken sowie obere und untere Extremitäten.

Kleine Merkhilfe

Axial bedeutet: zur Körperachse gehörend. Appendikulär bedeutet: zu den „angehängten“ Körperabschnitten gehörend, also vor allem zu Armen, Beinen, Schultergürtel und Becken.

Welche Funktionen haben Knochen?

Knochen sind nicht nur stabile Stützelemente. Das Skelett übernimmt mehrere wichtige Aufgaben im Körper.1,3,5

1Stabilität und Form

Knochen geben dem Körper Stabilität und tragen dazu bei, dass wir aufrecht stehen, sitzen und uns kontrolliert bewegen können.

2Schutz

Das Skelett schützt empfindliche Strukturen. Beispiele sind der Schädel für das Gehirn, der Brustkorb für Herz und Lunge oder die Wirbelsäule für das Rückenmark.

3Bewegung

Muskeln setzen meist über Sehnen an Knochen an. Wenn Muskeln kontrahieren, wirken Knochen als Hebel und ermöglichen Bewegung.

4Blutbildung

Das rote Knochenmark ist an der Bildung von Blutzellen beteiligt. Bei Erwachsenen findet Blutbildung besonders in Bereichen des axialen Skeletts statt.3

5Mineralspeicher

Knochen speichern Mineralien, besonders Calcium und Phosphat. Dadurch spielen sie eine wichtige Rolle im Mineralstoffhaushalt.1,2,5

6Stoffwechsel

Knochen sind lebendige Gewebe mit Umbauprozessen. Sie können daher auch als Stoffwechselorgan betrachtet werden.1,2

Funktion Einfach erklärt Beispiel
Fortbewegung Knochen dienen als Hebel für Muskeln. Oberschenkelknochen beim Gehen oder Kniebeugen.
Schutz Knochen schützen empfindliche Organe. Schädel, Brustkorb, Wirbelsäule.
Blutbildung Rotes Knochenmark bildet Blutzellen. Becken, Wirbelkörper, Rippen, Brustbein.
Mineralhomöostase Knochen speichern und regulieren Mineralstoffe. Calcium- und Phosphatspeicher.
Fettspeicher Gelbes Knochenmark enthält viel Fettgewebe. Markhöhle langer Röhrenknochen.

Hinweis: Auf kleinen Displays kannst du die Tabelle seitlich scrollen.

Geflechtknochen und Lamellenknochen

Grundsätzlich lassen sich zwei Formen von Knochengewebe unterscheiden: Geflechtknochen und Lamellenknochen.1

Geflechtknochen

Geflechtknochen ist eher ursprünglich und weniger geordnet aufgebaut. Er entsteht besonders dann, wenn Knochengewebe schnell gebildet werden muss, zum Beispiel in frühen Phasen der Knochenheilung.1

Lamellenknochen

Lamellenknochen ist geordneter aufgebaut und deutlich belastbarer. Er entsteht durch Umbauprozesse des Knochengewebes und bildet den typischen belastbaren Knochen des Erwachsenen.1,2,4

Kompakta und Spongiosa

Beim Lamellenknochen unterscheidet man eine äußere feste Schicht, die Kompakta oder Kortikalis, und eine innere schwammartig aufgebaute Schicht, die Spongiosa. In den Hohlräumen der Spongiosa befindet sich Knochenmark.1,2,4

Die 5 Knochentypen

Im menschlichen Körper gibt es unterschiedliche Knochentypen. Die Einteilung hilft dir, Knochen nicht nur auswendig zu lernen, sondern ihre Form und Funktion besser zu verstehen.1,2,5

Lange Knochen

  • Länge deutlich größer als der Durchmesser
  • meist mit Markhöhle im Schaft
  • auch Röhrenknochen genannt
  • Beispiele: Oberschenkelknochen, Schienbein
Oberschenkelknochen als Beispiel für einen langen Knochen

Kurze Knochen

  • meist würfel- oder quaderförmig
  • keine ausgeprägte Markhöhle wie lange Knochen
  • Beispiele: Handwurzel- und Fußwurzelknochen
Fußwurzelknochen als Beispiel für kurze Knochen

Platte Knochen

  • flächige Knochenform
  • häufig wichtige Schutzfunktion
  • Beispiele: Schädelknochen, Rippen, Schulterblatt, Becken
Schulterblatt als Beispiel für einen platten Knochen

Unregelmäßige Knochen

  • lassen sich nicht gut in die anderen Gruppen einordnen
  • oft komplexe Form
  • Beispiele: Wirbelkörper, Unterkiefer
Wirbelkörper als Beispiel für einen unregelmäßigen Knochen

Sesambeine

  • in Sehnen eingelagert
  • unterstützen Kraftübertragung
  • bekanntestes Beispiel: Kniescheibe
Kniescheibe als Beispiel für ein Sesambein

Aufbau eines langen Röhrenknochens

Der Aufbau eines Knochens lässt sich besonders gut am langen Röhrenknochen erklären. Ein solcher Knochen besitzt einen Schaft in der Mitte und zwei Endstücke. Der Schaft heißt Diaphyse, die Endstücke heißen Epiphysen.1,2,4

Aufbau eines langen Röhrenknochens mit Diaphyse Epiphyse Markraum Spongiosa Kortikalis und Periost
Aufbau eines langen Röhrenknochens mit Diaphyse, Epiphysen, Markraum, Spongiosa, Kortikalis und Knochenhaut.

Die äußere Randschicht besteht aus kompaktem Knochen und wird Kompakta oder Kortikalis genannt. Sie verleiht dem Knochen seine mechanische Stabilität. Im Inneren befindet sich die Spongiosa, ein schwammartig aufgebautes Knochenbälkchensystem. In den Hohlräumen befindet sich Knochenmark.1,2,4

Die Gelenkflächen der Endstücke sind von Gelenkknorpel überzogen. Außerhalb der Gelenkflächen ist der Knochen von einer Knochenhaut umgeben, dem Periost. Das Periost enthält Blutgefäße und Nerven und ist an Wachstums- und Umbauprozessen beteiligt.1,2,4

Diaphyse

Der Knochenschaft in der Mitte eines langen Röhrenknochens. In seinem Inneren liegt die Markhöhle.

Epiphyse

Die Endstücke eines langen Röhrenknochens. Sie sind an Gelenken beteiligt und enthalten viel Spongiosa.

Metaphyse

Der Übergangsbereich zwischen Diaphyse und Epiphyse. Während des Wachstums liegt hier die Epiphysenfuge.

Wichtige Begriffe einfach erklärt

Begriff Einfach erklärt Warum wichtig?
Kompakta / Kortikalis Feste äußere Knochenschicht. Sorgt für hohe mechanische Stabilität.
Spongiosa Schwammartig aufgebautes Knochenbälkchensystem im Inneren. Enthält Hohlräume für Knochenmark und hilft bei Belastungsverteilung.
Periost Knochenhaut außerhalb der Gelenkflächen. Enthält Blutgefäße und Nerven; wichtig für Versorgung und Umbauprozesse.
Markhöhle Hohlraum im Schaft langer Röhrenknochen. Enthält Knochenmark.
Rotes Knochenmark Knochenmark mit Blutbildungsfunktion. Wichtig für Bildung von Blutzellen.
Gelbes Knochenmark Fettreiches Knochenmark. Dient unter anderem als Fettspeicher.
Epiphysenfuge Wachstumszone zwischen Schaft und Endstück. Hier findet während des Wachstums Längenwachstum statt.
Osteoblasten Knochenaufbauende Zellen. Beteiligt an Knochenbildung und Umbau.
Osteoklasten Knochenabbauende Zellen. Wichtig für Knochenumbau und Anpassung.

Hinweis: Auf kleinen Displays kannst du die Tabelle seitlich scrollen.

Warum ist der Knochenaufbau für Training wichtig?

Für Training und Bewegung ist wichtig zu verstehen: Knochen sind keine passiven Stangen. Sie sind lebendige Gewebe, die mit Muskeln, Sehnen, Gelenken und dem Stoffwechsel zusammenarbeiten. Bewegung entsteht dadurch, dass Muskeln über Sehnen an Knochen ziehen und Knochen als Hebel wirken.1,2,5

Auch bei Übungstechnik, Belastungssteuerung und Verletzungsprävention ist anatomisches Grundwissen hilfreich. Wer versteht, wie Knochen, Gelenke und Muskulatur zusammenarbeiten, kann Übungen bewusster einordnen.

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Quellenzuordnung

Aussage / Inhalt Verwendete Quellen
Einteilung des Skeletts in axiales und appendikuläres Skelett. 1, 5
Typische Anzahl der Knochen und mögliche Unterschiede durch Zählweise. 1, 5
Grundfunktionen des Skeletts: Stabilität, Schutz, Bewegung, Mineralspeicher. 1, 2, 5
Blutbildung im Knochenmark und altersabhängige Veränderung der Blutbildung. 3
Unterscheidung von Geflechtknochen und Lamellenknochen. 1, 2, 4
Aufbau aus Kompakta/Kortikalis und Spongiosa. 1, 2, 4
Einteilung in lange, kurze, platte, unregelmäßige Knochen und Sesambeine. 1, 2, 5
Aufbau eines langen Röhrenknochens mit Diaphyse, Epiphysen, Markhöhle, Periost und Epiphysenfuge. 1, 2, 4
Periost, Blutgefäße, Nerven, Osteoblasten, Osteoklasten und Umbauprozesse. 1, 2, 4

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FAQ: Häufige Fragen zu Knochen Aufbau und Funktion

Wie ist ein Knochen aufgebaut?

Ein Knochen besteht unter anderem aus einer festen äußeren Schicht, der Kompakta oder Kortikalis, und einer inneren schwammartig aufgebauten Spongiosa. Zusätzlich gibt es Knochenmark, Knochenhaut, Blutgefäße, Nerven und je nach Knochenform weitere Strukturen wie Markhöhle, Epiphysen und Diaphyse.

Welche Funktionen haben Knochen?

Knochen geben dem Körper Stabilität, schützen Organe, ermöglichen Bewegung, speichern Mineralien und sind über das Knochenmark an der Blutbildung beteiligt.

Was ist der Unterschied zwischen Kompakta und Spongiosa?

Die Kompakta ist die feste äußere Knochenschicht. Die Spongiosa liegt weiter innen und besteht aus einem schwammartigen System feiner Knochenbälkchen. In ihren Hohlräumen befindet sich Knochenmark.

Was ist ein langer Röhrenknochen?

Ein langer Röhrenknochen ist ein Knochen, dessen Länge deutlich größer ist als sein Durchmesser. Er besitzt einen Schaft, die Diaphyse, und zwei Endstücke, die Epiphysen. Beispiele sind Oberschenkelknochen und Schienbein.

Welche Knochentypen gibt es?

Man unterscheidet lange Knochen, kurze Knochen, platte Knochen, unregelmäßige Knochen und Sesambeine. Diese Einteilung beschreibt vor allem Form und Funktion der Knochen.

Fachliche Einordnung

Dieser Artikel dient der verständlichen anatomischen Grundbildung. Er erklärt den Aufbau und die Funktionen von Knochen in vereinfachter Form und ersetzt kein medizinisches Lehrbuch, keine Diagnostik und keine individuelle medizinische Beratung.

Literatur

  1. Biberthaler, P., & Van Griensven, M. (Eds.). (2017). Knochendefekte und Pseudarthrosen. Springer.
  2. Faller, A., & Schünke, M. (2016). Der Körper des Menschen: Einführung in Bau und Funktion. Georg Thieme Verlag.
  3. Niemeyer, C., & Eggert, A. (Eds.). (2017). Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer-Verlag.
  4. Schulte, E., Schumacher, U., & Schünke, M. (Eds.). (2018). Prometheus Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem: LernAtlas der Anatomie. Georg Thieme Verlag.
  5. Waschke, J., Böckers, T. M., & Paulsen, F. (2019). Sobotta Lehrbuch Anatomie. Elsevier Health Sciences.
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