Musculus pectoralis major: Anatomie & Funktion

Anatomie · Brustmuskel · Krafttraining

Musculus pectoralis major: Anatomie und Funktionen

Der Musculus pectoralis major ist der große Brustmuskel. Er liegt oberflächlich an der Vorderseite des Brustkorbs, prägt die vordere Achselfalte und ist ein wichtiger Muskel für kraftvolle Bewegungen des Oberarms im Schultergelenk.

Autor: Olaf Henning Thema: Musculus pectoralis major Ziel: Anatomie verständlich lernen

Kurz gesagt

Der Musculus pectoralis major ist der große Brustmuskel. Er entspringt unter anderem an Schlüsselbein, Brustbein, Rippenknorpeln und der Aponeurose des äußeren schrägen Bauchmuskels und setzt am Oberarmknochen an. Seine Hauptfunktionen sind Bewegungen des Oberarms nach vorn, zur Körpermitte, nach innen und aus erhobener Position nach unten.1,2,3,4

Für das Krafttraining ist er besonders relevant bei Übungen wie Bankdrücken, Liegestützen, Butterfly/Flys, Dips und vielen Druckbewegungen. Je nach Armposition arbeiten die verschiedenen Faseranteile etwas unterschiedlich, sie lassen sich im Training aber nicht vollständig voneinander isolieren.

Musculus pectoralis major von vorne mit Brustmuskel am Skelett dargestellt
Der Musculus pectoralis major von vorne: gut zu erkennen sind die fächerförmigen Faserverläufe des großen Brustmuskels. Bild erstellt mit AnatomyLearning.com.

Was ist der Musculus pectoralis major?

Der Musculus pectoralis major ist der große Brustmuskel. Er liegt oberflächlich an der vorderen Thoraxwand und bedeckt unter anderem den Musculus pectoralis minor, den Musculus serratus anterior und Teile der Rippen.1,2,3

Der Name stammt aus dem Lateinischen: „Pectoralis“ bedeutet „zur Brust gehörig“ und „major“ bedeutet „größer“. Die Bezeichnung grenzt ihn vom kleineren Brustmuskel, dem Musculus pectoralis minor, ab.1

Einfach erklärt

Wenn im Training vom „Brustmuskel“ gesprochen wird, ist meistens der Musculus pectoralis major gemeint. Er ist der große, sichtbare Muskel auf der Vorderseite des Brustkorbs und spielt eine zentrale Rolle bei Druckbewegungen.

Lage und Aufbau des großen Brustmuskels

Der M. pectoralis major ist ein großer, fächerförmiger Muskel. Üblicherweise werden zwei zusammenhängende Hauptanteile beschrieben: die Pars clavicularis und die Pars sternocostalis. Fasern aus dem unteren Bereich werden teils als Pars abdominalis beschrieben, in vielen anatomischen Darstellungen aber nicht als eigenständiger dritter Muskelkopf geführt.1,2,3,4

1Pars clavicularis

Der kleinere, obere Anteil. Er entspringt an der medialen Hälfte des Schlüsselbeins.

2Pars sternocostalis

Der größere Anteil. Er entspringt unter anderem an Brustbein und oberen Rippenknorpeln.

3Abdominale Fasern

Untere Fasern mit Bezug zur Aponeurose des M. obliquus externus abdominis. Sie werden anatomisch nicht immer als eigener Kopf getrennt.

Musculus pectoralis major: Ursprung und Ansatz

Der Musculus pectoralis major hat einen breiten Ursprung an der Vorderseite des Brustkorbs und einen gemeinsamen Ansatz am Oberarmknochen. Dadurch kann er kraftvoll auf das Schultergelenk einwirken.1,2,3,4

Struktur Beschreibung Einfach erklärt
Pars clavicularis Ursprung an der medialen Hälfte der Clavicula. Oberer Anteil des Brustmuskels am Schlüsselbein.
Pars sternocostalis Ursprung an Manubrium und Corpus sterni, oberen Rippenknorpeln und vorderem Anteil der 6. Rippe. Großer mittlerer und unterer Anteil des Brustmuskels am Brustbein und an den Rippen.
Abdominale Fasern Fasern aus dem Bereich der Aponeurose des M. obliquus externus abdominis. Untere Faseranteile des großen Brustmuskels.
Ansatz Crista tuberculi majoris des Humerus, lateral des Sulcus intertubercularis. Der Muskel zieht zum Oberarmknochen und kann dadurch den Arm bewegen.

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Faserverlauf und Sehnenplatte

Die Fasern des Musculus pectoralis major verlaufen fächerförmig vom Brustkorb zum Oberarm. Dabei wird der Muskel auf seinem Weg zum Ansatz schmaler und geht in eine Sehnenplatte über.1,2,3,4

Bei hängendem Arm überkreuzen sich die Fasern am Ansatz. Die Fasern der Pars clavicularis bilden eher das vordere Blatt, während die Fasern der Pars sternocostalis und der abdominalen Anteile eher das hintere Blatt der Sehnenplatte formen. Dadurch entsteht ein U-förmiger Querschnitt der Sehne.1,2,3,4

Warum ist das wichtig?

Der Faserverlauf erklärt, warum der Brustmuskel je nach Armposition unterschiedlich stark beteiligt sein kann. Ein schräger, waagerechter oder nach oben gerichteter Faserverlauf beeinflusst, welche Bewegung der jeweilige Anteil besonders gut unterstützen kann.

Funktionen des Musculus pectoralis major

Der M. pectoralis major bewegt vor allem den Oberarm im Schultergelenk. Seine Funktionen hängen davon ab, welcher Anteil aktiv ist und in welcher Position sich der Arm befindet.1,2,3

Funktion Was passiert? Alltags- oder Trainingsbeispiel
Anteversion / Flexion Der Arm wird nach vorn geführt. Arm nach vorne heben, Drückbewegung, Boxbewegung.
Adduktion Der Arm wird zur Körpermitte geführt. Butterfly, Flys, Umarmbewegung.
Innenrotation Der Oberarm wird nach innen gedreht. Tür öffnen, Arm nach innen drehen, viele Druckbewegungen.
Retroversion aus erhobener Position Der Arm wird aus einer hochgestreckten Position nach unten geführt. Herunterziehen, Abstützen, Kletterbewegungen.
Atemhilfsfunktion Bei fixiertem Arm kann der Muskel Brustbein und Rippen anheben. Unterstützende Atemhilfsfunktion bei abgestütztem Arm.

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Oberer Anteil

Die Pars clavicularis kann besonders dazu beitragen, den Arm nach vorn zu führen. Deshalb spielt sie bei vielen Druckbewegungen und Armhebebewegungen eine wichtige Rolle.1,2,3

Mittlerer und unterer Anteil

Die Pars sternocostalis unterstützt besonders Bewegungen zur Körpermitte, Innenrotation und das Heranführen des Arms aus erhobener Position.1,2,3

Bedeutung für das Brusttraining

Im Krafttraining ist der Musculus pectoralis major einer der wichtigsten Zielmuskeln bei Brustübungen. Besonders relevant ist er bei Druckbewegungen und Bewegungen, bei denen der Oberarm vor dem Körper zusammengeführt wird.

Übung / Bewegung Warum der Brustmuskel beteiligt ist Einordnung
Bankdrücken Der Oberarm wird kraftvoll nach vorn und zur Körpermitte geführt. Grundübung für Brust, vordere Schulter und Trizeps.
Liegestütze Ähnliche Druckbewegung wie Bankdrücken, aber mit eigenem Körpergewicht. Sehr gute Basisübung für Anfänger und Fortgeschrittene.
Butterfly / Flys Der Oberarm wird zur Körpermitte geführt. Stärker isolierende Übung für die Adduktion im Schultergelenk.
Dips Der Brustmuskel unterstützt kraftvolle Druck- und Senkbewegungen des Arms. Je nach Oberkörperneigung stärker brust- oder trizepsbetont.

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Training praktisch gedacht

Für ein ausgewogenes Brusttraining reicht es meistens nicht, nur eine einzelne Übung zu betrachten. Sinnvoll ist eine Kombination aus stabiler Druckübung, kontrollierter Bewegungsqualität und passendem Trainingsvolumen. Dabei sollten Schulterposition, Griffbreite, Bewegungsumfang und Schmerzfreiheit beachtet werden.

Häufige Missverständnisse zum Brustmuskel

„Obere Brust“ und „untere Brust“ sind keine komplett getrennten Muskeln

Der Pectoralis major hat verschiedene Faseranteile. Diese können je nach Übungswinkel unterschiedlich betont werden. Trotzdem arbeitet der Muskel meistens als funktionelle Einheit.

Mehr Gewicht ist nicht automatisch besser

Bei Brustübungen zählt nicht nur die Last, sondern auch Kontrolle, Bewegungsumfang, Schulterposition und passende Progression.

Brusttraining ist auch Schultertraining

Viele Brustübungen belasten auch vordere Schulter und Trizeps. Deshalb ist eine saubere Technik wichtig, besonders bei hohen Lasten.

Ein Ziehen in der Schulter ist kein normales Trainingsziel

Muskelarbeit in der Brust ist normal. Stechende Schmerzen, Instabilitätsgefühl oder ausstrahlende Beschwerden sollten nicht ignoriert werden.

Hinweis bei Schmerzen

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Diagnostik. Wenn du Schmerzen in Brust, Schulter, Arm oder Brustkorb hast, Beschwerden ausstrahlen oder beim Training ungewöhnliche Symptome auftreten, solltest du das fachlich oder medizinisch abklären lassen.

Brustübungen sauberer ausführen?

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Quellenzuordnung

Aussage / Inhalt Verwendete Quellen
Der Musculus pectoralis major ist der große Brustmuskel und liegt oberflächlich an der vorderen Thoraxwand. 1, 2, 3
Der Muskel bedeckt unter anderem den M. pectoralis minor, den M. serratus anterior und die Rippen. 1, 2, 3
Unterscheidung in Pars clavicularis und Pars sternocostalis; abdominale Fasern werden teils beschrieben. 1, 2, 3, 4
Ursprung an Clavicula, Sternum, Rippenknorpeln und Aponeurose des M. obliquus externus abdominis. 1, 2, 3, 4
Ansatz an der Crista tuberculi majoris des Humerus. 1, 2, 3, 4
Faserverlauf, Überkreuzung der Fasern und U-förmige Sehnenplatte. 1, 2, 3, 4
Funktionen: Anteversion/Flexion, Adduktion, Innenrotation und Heranführen des Arms aus erhobener Position. 1, 2, 3
Atemhilfsfunktion bei fixiertem Arm. 1, 2, 3

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FAQ: Häufige Fragen zum Musculus pectoralis major

Was ist der Musculus pectoralis major?

Der Musculus pectoralis major ist der große Brustmuskel. Er liegt oberflächlich an der Vorderseite des Brustkorbs und bewegt vor allem den Oberarm im Schultergelenk.

Wo liegt der Musculus pectoralis major?

Er liegt an der vorderen Thoraxwand. Er bedeckt unter anderem den kleinen Brustmuskel, den Serratus anterior und Teile der Rippen.

Wo entspringt der Musculus pectoralis major?

Er entspringt unter anderem an der medialen Hälfte des Schlüsselbeins, am Brustbein, an den oberen Rippenknorpeln und an der Aponeurose des äußeren schrägen Bauchmuskels.

Wo setzt der Musculus pectoralis major an?

Der Musculus pectoralis major setzt am Oberarmknochen an, genauer an der Crista tuberculi majoris des Humerus.

Welche Funktion hat der große Brustmuskel?

Der große Brustmuskel führt den Oberarm nach vorn, zur Körpermitte, dreht ihn nach innen und kann den Arm aus erhobener Position nach unten führen. Bei fixiertem Arm kann er außerdem die Atmung unterstützen.

Welche Übungen trainieren den Musculus pectoralis major?

Typische Übungen sind Bankdrücken, Liegestütze, Butterfly beziehungsweise Flys und Dips. Je nach Technik und Winkel können verschiedene Faseranteile stärker betont werden.

Autor und fachliche Einordnung

Dieser Artikel wurde von Olaf Henning erstellt. Olaf hat u. a. einen M.Sc. in Clinical Exercise Science, einen M.A. in Sportwissenschaft und einen B.Sc. im Bereich Sport und Leistung. Ziel des Artikels ist eine verständliche, sportwissenschaftlich eingeordnete Erklärung zur Anatomie und Funktion des Musculus pectoralis major.

Literatur

  1. Sobotta, J. (2017). Sobotta, Atlas der Anatomie Band 1: Allgemeine Anatomie und Bewegungsapparat. Urban & Fischer in Elsevier.
  2. Waschke, J., Böckers, T. M., & Paulsen, F. (Eds.). (2019). Sobotta Lehrbuch Anatomie. Elsevier Health Sciences.
  3. Palastanga, N., & Soames, R. (2014). Anatomie und menschliche Bewegung: Strukturen und Funktionen. Elsevier, Urban & Fischer.
  4. Thompson, K., Kwon, Y., Flatow, E., Jazrawi, L., Strauss, E., & Alaia, M. (2020). Everything pectoralis major: from repair to transfer. The Physician and Sportsmedicine, 48(1), 33–45.
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