Hüftarthrose einfach erklärt

Hüftgelenksarthrose Übungen: Welches Training hilft und wann ist eine neue Hüfte sinnvoll?

Stand: September 2026 · Wissenschaftlich eingeordnet · Keine individuelle medizinische Beratung

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel erklärt Hüftgelenksarthrose, Übungen, konservative Behandlung und die Frage nach einer neuen Hüfte allgemein verständlich. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, keine physiotherapeutische Untersuchung und keine individuelle Therapieplanung. Plötzliche starke Hüft- oder Leistenschmerzen, Fieber, Unfall, rasch zunehmende Gehprobleme, nächtlicher Ruheschmerz, deutliche Rötung oder Schwellung, neurologische Ausfälle oder Verdacht auf Hüftkopfnekrose, Fraktur, Infektion oder Tumorerkrankung sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden [1,2,5,13].

Kurzantwort: Welche Hüftgelenksarthrose Übungen helfen?

Bei Hüftgelenksarthrose helfen vor allem regelmäßig angepasste Übungen, die Kraft, Beweglichkeit, Gangbild, Gleichgewicht und Alltagstoleranz verbessern. Sinnvoll sind häufig Kräftigungsübungen für Gesäßmuskulatur, Abduktoren, Adduktoren, Hüftstreckung und Rumpfstabilität, kombiniert mit gelenkschonender Ausdauer wie Gehen, Radfahren, Aquatraining oder Ergometer [1,2,8–11]. Eine neue Hüfte, also eine Hüfttotalendoprothese (TEP), kommt eher infrage, wenn eine fortgeschrittene Coxarthrose im Röntgen vorliegt, Schmerzen und Funktion die Lebensqualität stark einschränken und eine angemessene konservative Therapie nicht ausreichend hilft [2,12,13].

Hüftgelenksarthrose wird medizinisch Coxarthrose oder Koxarthrose genannt. Viele Betroffene suchen nach konkreten Hüftarthrose Übungen, weil Gehen, Treppensteigen, Schuheanziehen oder längeres Sitzen schmerzhaft werden. Die gute Nachricht: Bewegung ist bei Hüftarthrose nicht automatisch gefährlich. Entscheidend ist, die Belastung so zu dosieren, dass Muskulatur, Beweglichkeit und Alltagssicherheit besser werden, ohne die Hüfte ständig zu überfordern [1,2,8–11].

Key Takeaways

  • Hüftgelenksarthrose ist eine Erkrankung des gesamten Hüftgelenks und nicht nur „Knorpelverschleiß“ [1,3,4].
  • Typisch sind Leisten-, Gesäß- oder Oberschenkelschmerzen, Anlaufschmerz, eingeschränkte Innenrotation und Probleme beim Schuheanziehen, Gehen oder Treppensteigen [1,5].
  • Die Diagnose basiert auf Anamnese, klinischer Untersuchung, Beweglichkeit, Gangbild und bei Bedarf Röntgen; Magnetresonanztomographie (MRT) ist eher bei unklaren oder atypischen Beschwerden sinnvoll [1,2,5,13].
  • Training, Bewegungstherapie und körperliche Aktivität gelten als Kernbausteine der konservativen Hüftgelenksarthrose Behandlung [1,2,8–11,13].
  • Die optimale Übungsauswahl ist individuell: Gesäßmuskulatur, Hüftabduktoren, Adduktoren, Hüftstreckung, Rumpfstabilität, Beweglichkeit und Ausdauer sollten je nach Beschwerden dosiert werden [1,2,8–11].
  • Eine Hüft-TEP bei Coxarthrose ist eher eine Option bei fortgeschrittener radiologischer Arthrose, hohem Leidensdruck und nicht ausreichend erfolgreicher konservativer Therapie über einen angemessenen Zeitraum [12,13].

Was ist Hüftgelenksarthrose?

Hüftgelenksarthrose, auch Coxarthrose oder Koxarthrose, ist eine chronische Erkrankung des Hüftgelenks. Betroffen sein können Gelenkknorpel, Knochen unter dem Knorpel, Gelenkinnenhaut, Gelenkkapsel, Gelenklippe, Bänder, Muskulatur und schmerzverarbeitende Strukturen [1,3,4].

Der Begriff „Verschleiß“ ist als Alltagserklärung verständlich, aber zu kurz. Arthrose ist eine heterogene Ganzgelenkerkrankung, bei der mechanische Belastung, frühere Verletzungen, Hüftform, Stoffwechsel, Entzündungsprozesse, Muskulatur und Schmerzverarbeitung zusammenwirken können [3,4].

Deshalb erklärt das Röntgenbild allein nicht immer, wie stark die Beschwerden sind. Manche Menschen haben deutliche Bildveränderungen und wenig Schmerz; andere haben starke Einschränkungen, obwohl die Bildgebung weniger dramatisch wirkt. Eine gute Behandlung richtet sich deshalb nach Beschwerden, Funktion, Belastbarkeit, Lebensqualität und Zielen, nicht nur nach dem Bild [1,2,4,5].

Infografik: Hüftgelenksarthrose betrifft Knorpel, Knochen, Gelenkinnenhaut, Kapsel, Gelenklippe, Bänder und Muskulatur
Abbildung 1: Hüftgelenksarthrose betrifft das ganze Hüftgelenk. Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Abbildung seitlich verschoben werden.

Welche Symptome sind typisch bei Hüftgelenksarthrose?

Typisch für Hüftarthrose sind tiefe Schmerzen in der Leiste, außen an der Hüfte, im Gesäß oder an der Vorderseite des Oberschenkels; manchmal strahlen Beschwerden bis zum Knie aus [1,5]. Häufig berichten Betroffene außerdem über Anlaufschmerz nach Ruhe, Belastungsschmerz beim Gehen, Steifigkeit nach Sitzen, eingeschränkte Innenrotation und Probleme beim Schuhe- oder Sockenanziehen [1,5].

In der klinischen Untersuchung sind eingeschränkte passive Hüftinnenrotation, reduzierte Hüftadduktion, Leistenschmerz bei passiver Abduktion oder Adduktion und Abduktorenschwäche wichtige Hinweise auf Hüftarthrose [5]. Eine normale passive Hüftadduktion macht eine radiologisch nachweisbare Hüftarthrose in der untersuchten Evidenz eher unwahrscheinlicher, ersetzt aber keine ärztliche Gesamtbeurteilung [5].

Tabelle 1: Typische Symptome bei Hüftgelenksarthrose. Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
Symptom Einfach erklärt Typische Alltagssituation Wichtige Einschränkung
Leistenschmerz Schmerz tief vorne in der Hüfte oder Leiste. Gehen, Treppensteigen, Aufstehen, längeres Stehen. Leistenschmerz kann auch andere Ursachen haben und sollte bei unklarem Verlauf abgeklärt werden [1,5].
Gesäß- oder Oberschenkelschmerz Schmerz kann nach hinten, seitlich oder vorne in den Oberschenkel ziehen. Längeres Gehen, Bergaufgehen, Einsteigen ins Auto. Auch Lendenwirbelsäule, Nerven oder Sehnen können ähnliche Beschwerden machen [1,5].
Anlaufschmerz Die ersten Schritte nach Ruhe sind schmerzhaft oder steif. Aufstehen vom Sofa, Start nach längerem Sitzen. Kurze Morgensteifigkeit passt eher zu Arthrose; lange Morgensteifigkeit kann entzündliche Ursachen nahelegen [2].
Eingeschränkte Innenrotation Die Hüfte lässt sich schlechter nach innen drehen. Schuheanziehen, Beine übereinanderschlagen, Drehbewegungen. Ein wichtiger klinischer Hinweis, aber immer im Gesamtbild zu bewerten [5].
Gangbild verändert Hinken, kürzere Schritte oder Ausweichbewegungen. Längere Gehstrecken, Treppen, unebener Boden. Kann auch durch Schmerz, Kraftdefizite, Beinlängendifferenz oder Rückenprobleme beeinflusst sein [1,5].

Welche Risikofaktoren begünstigen Hüftarthrose?

Hüftgelenksarthrose entsteht meistens durch mehrere Faktoren. Wichtige Risikofaktoren sind Alter, genetische Veranlagung, Übergewicht, frühere Verletzungen, hohe berufliche körperliche Belastungen, Hüftdysplasie, femoroacetabuläres Impingement, bestimmte Hüftformen und Kraft- beziehungsweise Funktionsdefizite [1,3,4,6,7].

Hüftdysplasie und Cam-Morphologie beim femoroacetabulären Impingement sind in systematischen Übersichten mit einem höheren Risiko für Hüftarthrose verbunden. Eine Meta-Analyse fand, dass Cam-Morphologie und Hüftdysplasie prospektiv mit der Entwicklung von Hüftarthrose assoziiert waren; bei Pincer-Morphologie war die prospektive Evidenz uneinheitlicher [6].

Schwere körperliche Arbeit kann das Hüftarthroserisiko ebenfalls erhöhen. Ein systematisches Review fand ein erhöhtes Risiko für Hüftarthrose in mehreren Berufsgruppen mit hoher körperlicher Belastung, wobei Art, Dauer und Intensität der Belastung eine Rolle spielen [7].

Tabelle 2: Risikofaktoren bei Hüftgelenksarthrose. Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
Risikofaktor Einfach erklärt Veränderbar? Was bedeutet das praktisch?
Alter Hüftarthrose wird mit zunehmendem Alter häufiger. Nein Alter erhöht das Risiko, ist aber kein Grund für pauschale Schonung [1,3,4].
Genetik Veranlagung kann Gelenkform, Knorpelstoffwechsel und Arthroserisiko beeinflussen. Nicht direkt Veranlagung erklärt Risiko, ersetzt aber nicht Belastungssteuerung und Training [3,4].
Übergewicht / Adipositas Kann mechanisch und metabolisch wirken und OP-Risiken beeinflussen. Teilweise Gewichtsmanagement kann bei Bedarf sinnvoll sein; direkte Evidenz ist für Hüfte schwächer als für Knie [2,13].
Hüftdysplasie Die Hüftpfanne überdacht den Hüftkopf ungünstig. Struktur nicht durch Training veränderbar Kann frühe Arthrose begünstigen und die OP-Planung beeinflussen [6,13].
Femoroacetabuläres Impingement Ungünstiger Kontakt zwischen Hüftkopf-Hals-Region und Hüftpfanne. Teilweise über Belastung steuerbar Kann Bewegungen in tiefer Hüftbeugung, Rotation oder Kompression empfindlicher machen [6].
Frühere Verletzungen Fraktur, Luxation, Labrumverletzung oder frühere Operationen können relevant sein. Teilweise Reha, Kraftaufbau und langfristige Belastungssteuerung sind wichtig [1,3,4].
Schwere berufliche Belastung Langjährige hohe körperliche Arbeit kann das Risiko erhöhen. Teilweise Ergonomie, Pausen, Hilfsmittel und Ausgleichstraining prüfen [7].
Kraftdefizite Schwache Gesäß-, Hüft- oder Rumpfmuskulatur kann Belastungstoleranz senken. Ja Gezieltes Training ist ein wichtiger konservativer Baustein [1,2,8–11].

Wie wird Hüftgelenksarthrose diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt mit Anamnese und klinischer Untersuchung. Dabei werden Schmerzort, Verlauf, Belastungsabhängigkeit, Morgensteifigkeit, Gehstrecke, Treppenfähigkeit, Schuheanziehen, Schlaf, frühere Verletzungen, Vorerkrankungen, Medikamente, Beweglichkeit, Kraft, Gangbild und persönliche Ziele eingeordnet [1,2,5,13].

Wann reicht die klinische Diagnose?

Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) beschreibt Arthrose als klinisch diagnostizierbar, wenn Menschen ab 45 Jahren belastungsbezogene Gelenkschmerzen haben und keine oder höchstens 30 Minuten morgendliche gelenkbezogene Steifigkeit besteht [2]. Bei Hüftbeschwerden sind besonders reduzierte Innenrotation, Leistenschmerz bei passiver Bewegung, eingeschränkte Adduktion, Abduktorenschwäche und schmerzhaftes funktionelles Belasten diagnostisch hilfreich [5].

Wann ist Röntgen sinnvoll?

Röntgen ist sinnvoll, wenn die Diagnose unklar ist, der Arthrosegrad beurteilt werden soll, eine andere Ursache ausgeschlossen werden muss oder eine Hüft-TEP diskutiert wird [1,13]. EKIT-Hüfte empfiehlt vor der Indikationsstellung zur Hüft-TEP eine konventionelle Röntgenbildgebung mit Beckenübersicht und zweiter Ebene des betroffenen Hüftgelenks; außerdem soll eine Hüft-TEP bei Coxarthrose nur bei radiologisch nachgewiesener fortgeschrittener Coxarthrose erfolgen [13].

Wann ist MRT sinnvoll?

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) ist bei typischer Coxarthrose nicht automatisch nötig. Sie kann sinnvoll sein, wenn Beschwerden, Untersuchung und Röntgen nicht zusammenpassen oder wenn Verdacht auf Hüftkopfnekrose, Stressfraktur, Labrum- oder Weichteilprobleme, entzündliche Erkrankung, Infektion, Tumor oder andere Differenzialdiagnosen besteht [1,2,13].

Tabelle 3: Diagnose bei Hüftgelenksarthrose: Untersuchung, Röntgen und MRT. Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
Diagnostik Wofür hilfreich? Wann eher sinnvoll? Wichtige Einschränkung
Anamnese Schmerzort, Alltagseinschränkung, Belastbarkeit, Verlauf, Ziele. Immer als Grundlage. Leisten-, Gesäß- oder Oberschenkelschmerz kann mehrere Ursachen haben [1,5].
Klinische Untersuchung Innenrotation, Beugung, Adduktion, Gangbild, Abduktorenkraft, Funktion. Immer als Grundlage. Einzeltests ersetzen keine Gesamtbeurteilung [5].
Röntgen Gelenkspalt, Osteophyten, Sklerose, Zysten, Hüftform, Arthrosegrad. Bei unklarer Diagnose, OP-Planung oder Beurteilung fortgeschrittener Coxarthrose. Bildbefund und Beschwerden müssen klinisch zusammenpassen [1,2,13].
MRT Weichteile, Knochenmark, Hüftkopfnekrose, Stressfraktur, Labrum, Entzündung. Bei unklarem oder atypischem Verlauf und Verdacht auf Zusatzdiagnose. Nicht als Routinebildgebung bei typischer Arthrose nötig [1,2,13].
Labor Ausschluss von Entzündung, Infektion, rheumatischen Erkrankungen oder Gicht. Bei Fieber, starkem Entzündungsgefühl, untypischem Muster oder Verdacht auf Systemerkrankung. Es gibt keinen Standard-Blutwert, der Hüftarthrose sicher beweist [1,2].

Welche Übungen können bei Hüftgelenksarthrose helfen?

Hüftarthrose Übungen sollten nicht nur die Hüfte „beweglicher machen“, sondern Kraft, Beweglichkeit, Gangbild, Balance, Ausdauer und Alltagsfunktion verbessern. Leitlinien und systematische Reviews unterstützen Bewegungstherapie und körperliche Aktivität als zentrale konservative Maßnahmen bei Coxarthrose [1,2,8–11,13].

Ein Cochrane-Review fand bei Hüftarthrose kleine, aber relevante Verbesserungen von Schmerz und körperlicher Funktion durch landbasierte Übungen [8]. Eine neuere systematische Übersichtsarbeit und kumulative Meta-Analyse fand ebenfalls günstige Effekte von Bewegungstherapie auf Schmerz und Funktion bei Hüftarthrose, weist aber darauf hin, dass Effektgrößen häufig klein sind und klinische Relevanz individuell unterschiedlich ausfallen kann [9].

Evidenzbox: Was Übungen realistisch leisten können

Übungen können Hüftarthrose nicht sicher „wegtrainieren“ und bauen nach aktueller Studienlage keinen zuverlässig neuen Gelenkknorpel auf. Realistische Ziele sind weniger Schmerzempfindlichkeit, mehr Kraft, bessere Beweglichkeit, stabileres Gangbild, mehr Selbstvertrauen und bessere Alltagsfunktion [1,2,8–11,13].

Gesäßmuskulatur und Hüftstreckung

Die Gesäßmuskulatur, besonders Gluteus maximus und Gluteus medius, unterstützt Hüftstreckung, Beckenstabilität und Gangkontrolle. Praktisch können Übungen wie Hüftheben, Hip Thrust-Varianten, kontrolliertes Aufstehen vom Stuhl, Step-ups, leichte Good-Morning-Varianten oder Seilzug-Hüftstreckung sinnvoll sein, wenn sie schmerzarm und technisch sauber dosiert werden [1,2,8–11].

Abduktoren und Gluteus medius

Die Hüftabduktoren stabilisieren das Becken im Einbeinstand und beim Gehen. Bei Hüftarthrose können Übungen wie seitliches Beinheben, seitliches Gehen mit Miniband, Hüftabduktion am Kabelzug, Standwaage-Varianten mit Unterstützung oder kontrollierte Seitstütz-Varianten hilfreich sein, sofern sie zur aktuellen Belastbarkeit passen [1,2,8–11].

Adduktoren und Rumpfstabilität

Adduktoren und Rumpfmuskulatur helfen, Becken und Beinachse zu kontrollieren. Geeignete Einstiegsübungen können sanfte isometrische Adduktion mit Ball oder Kissen, kontrollierte Gewichtsverlagerungen, Pallof-Press-Varianten oder leichte Core-Übungen sein, wenn sie keine Leistenbeschwerden provozieren [1,2,8–11].

Beweglichkeit und gelenkschonende Ausdauer

Beweglichkeitstraining sollte schmerzarm und dosiert erfolgen. Sinnvoll sind häufig kontrollierte Hüftbeugung, Hüftstreckung, sanfte Rotation, Mobilität in alltagsnahen Winkeln und kurze Bewegungspausen nach längerem Sitzen [1,2,8–11]. Für Ausdauer eignen sich je nach Verträglichkeit Gehen, Nordic Walking, Radfahren, Ergometer, Aquatraining oder Schwimmen, wobei Widerstand, Dauer und Bewegungsumfang an die Reaktion der Hüfte angepasst werden sollten [1,2,8–11].

Tabelle 4: Hüftgelenksarthrose Übungen: Übungsbereiche, Beispiele und Anpassung. Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
Übungsbereich Ziel Einsteiger-Beispiele Steigerung Wann anpassen?
Gesäßmuskulatur Hüftstreckung, Beckenstabilität, Aufstehen und Gehen verbessern. Hüftheben, Aufstehen vom Stuhl, leichte Hip-Thrust-Variante. Zusatzgewicht, mehr Wiederholungen, einbeinige Varianten. Bei Leistenschmerz, Ausweichbewegung oder Beschwerden am nächsten Tag [1,2,8–11].
Abduktoren Becken beim Gehen und Einbeinstand stabilisieren. Seitliches Beinheben, Hüftabduktion im Stand mit Festhalten. Miniband, Kabelzug, längere Haltezeiten, anspruchsvollere Balance. Bei seitlichem Hüftschmerz oder deutlicher Kompensation [1,2,8–11].
Adduktoren Leistenregion und Becken-Kontrolle dosiert stärken. Ball oder Kissen leicht zusammendrücken, kurze Haltezeit. Längere Haltezeit, mehr Spannung, kontrollierte dynamische Varianten. Bei stechendem Leistenschmerz oder Nachtschmerz [1,2,8–11].
Hüftstreckung Gehen, Treppensteigen und aufrechte Haltung unterstützen. Seilzug-Hüftstreckung, leichte Good-Morning-Variante, Step-up niedrig. Mehr Bewegungsumfang, moderater Widerstand, komplexere Varianten. Bei Rückenkompensation oder Schmerzanstieg in der Hüfte [1,2,8–11].
Rumpfstabilität Becken, Wirbelsäule und Hüfte besser koordinieren. Pallof Press, Dead Bug, Seitstütz mit Knien am Boden. Längere Hebel, mehr Widerstand, einbeinige Stabilitätsaufgaben. Bei Rücken- oder Leistenbeschwerden Technik prüfen [1,2,8–11].
Beweglichkeit Alltagsbewegungen wie Schuheanziehen und Einsteigen erleichtern. Sanfte Hüftbeugung, Hüftstreckung, Rotation im schmerzarmen Bereich. Mehr Wiederholungen, größere alltagsnahe Bewegungsräume. Bei aggressivem Dehnschmerz, Einklemmgefühl oder Reizung [1,2,8–11].
Ausdauer Fitness, Stoffwechsel, Gehfähigkeit und Belastbarkeit verbessern. Gehen, Radfahren, Ergometer, Wassertraining. Längere Dauer, leichte Intervalle, moderater Widerstand. Bei Hinken, zunehmendem Leistenschmerz oder Beschwerden über 24 Stunden [1,2,8–11].
Praxisableitung: sinnvoller Einstieg

Ein praktikabler Einstieg kann aus zwei bis drei Kräftigungseinheiten pro Woche, kurzen täglichen Beweglichkeitseinheiten und mehreren gut verträglichen Ausdauereinheiten bestehen. Diese Struktur ist eine praxisorientierte Ableitung aus Leitlinien und Reviews, keine individuelle Therapieanweisung. Entscheidend sind Schmerzreaktion, Gehbild, Erholung, Technik und langfristige Regelmäßigkeit [1,2,8–11].

Belastung beim Training steuern: eine praktische Schmerzampel

Starre Schmerzgrenzen wie „bis 3 von 10 immer erlaubt“ sind keine universelle Leitlinienregel. Aussagekräftiger ist die gesamte Reaktion: Schmerzverlauf, Gangbild, Bewegungsqualität, Nachtschmerz und Erholung [1,2,8–11].

Grün: mild und stabil

Leichte, kontrollierbare Beschwerden, kein neues Hinken und Rückkehr zum üblichen Ausgangsniveau spätestens am Folgetag: Belastung kann meist beibehalten oder vorsichtig gesteigert werden.

Gelb: deutlich mehr als üblich

Beschwerden steigen klar an, das Gangbild verändert sich oder die Erholung dauert länger als sonst: nur eine Variable reduzieren – etwa Widerstand, Bewegungsumfang, Wiederholungen oder Gehstrecke.

Rot: Warnsignal

Stechender oder rasch zunehmender Leisten-/Hüftschmerz, plötzliche Belastungsunfähigkeit, Fieber, starker Nachtschmerz oder Beschwerden nach Unfall: Training stoppen und medizinisch abklären.

Keine validierte Universalgrenze

Die Ampel ist eine praktische Heuristik, kein diagnostischer Test. Entscheidend ist, ob die Bewegung kontrolliert bleibt und sich die Hüfte angemessen erholt.

Was sollte man bei Hüftarthrose eher vermeiden?

Bei Hüftgelenksarthrose muss nicht jede Belastung vermieden werden. Eher ungünstig sind plötzliche Belastungssprünge, langes Durchhalten trotz zunehmendem Hinken, sehr tiefe schmerzhafte Hüftbeugung, aggressive Dehnungen, harte Sprung- oder Drehbelastungen und hohe Trainingsumfänge, wenn sie Leistenschmerz oder Nachtschmerz provozieren [1,2,8–11].

Komplette Schonung ist meistens ebenfalls keine gute Strategie. Längere Inaktivität kann Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Gangbild und Vertrauen in die Hüfte verschlechtern. Häufig ist eine vorübergehende Anpassung sinnvoller: kürzere Gehstrecken, Radfahren statt langem Gehen, kleinere Bewegungswinkel, niedrigere Lasten und mehr Erholung [1,2,8–11].

Tabelle 5: Was bei Hüftarthrose eher vermeiden oder anpassen? Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
Situation Eher ungünstig Bessere Alternative Warum?
Schmerzschub Hartes Unterkörpertraining durchziehen. Belastung reduzieren, schmerzarme Bewegung erhalten, Warnzeichen abklären. Flares können eine vorübergehende Anpassung der Therapie erfordern [2].
Starker Leistenschmerz in tiefer Beugung Tiefe Kniebeugen, tiefe Ausfallschritte oder aggressives Hüftmobilisieren. Bewegungsumfang verkleinern, Stuhl-Aufstehen, Hip Hinge oder Step-up niedrig. Hüftbeugung und Rotation können bei Strukturproblemen provozieren [1,5,6].
Langes Gehen provoziert Hinken Gehstrecke erzwingen. Kürzere Gehblöcke, Radfahren, Wassertraining, Gehstock zeitweise prüfen. Hinken kann Ausweichmuster und Folgeüberlastungen verstärken [1,2].
Unsicherheit im Einbeinstand Einbeinige Übungen ohne Sicherung. Balance mit Festhalten, stabile Umgebung, ggf. therapeutische Anleitung. Sturzrisiko und Bewegungsqualität müssen berücksichtigt werden [1,2].
Angst vor Bewegung Alles vermeiden, was die Hüfte spürbar belastet. Sehr leichte, positive Bewegungserfahrungen aufbauen. Selbstwirksamkeit und dosierte Belastung sind wichtige Therapieziele [1,2,10,11].

Konservative Therapie bei Hüftgelenksarthrose

Konservative Therapie bedeutet Behandlung ohne Hüftgelenkersatz. Zentrale Bausteine sind Aufklärung, Bewegungstherapie, körperliche Aktivität, Krafttraining, Beweglichkeit, Ausdauertraining, Gewichtsmanagement bei Bedarf, Hilfsmittel und gegebenenfalls medikamentöse Schmerztherapie oder Injektionen als ergänzende Maßnahmen [1,2,10–13].

Training und Bewegung als Kern

NICE empfiehlt therapeutisches Training für alle Menschen mit Arthrose, angepasst an individuelle Bedürfnisse; Beispiele sind lokale Muskelkräftigung und allgemeine aerobe Fitness [2]. EKIT-Hüfte beschreibt Bewegungstherapie und Förderung beziehungsweise Erhalt körperlicher Aktivität als Kernelemente der konservativen Therapie bei Coxarthrose [13].

Gewichtsmanagement bei Bedarf

Bei Übergewicht oder Adipositas kann Gewichtsmanagement Teil der Behandlung sein. NICE erklärt für Menschen mit Arthrose und Übergewicht oder Adipositas, dass Gewichtsverlust Lebensqualität und körperliche Funktion verbessern und Schmerzen reduzieren kann; die AWMF-EKIT-Leitlinie weist zugleich darauf hin, dass direkte Evidenz zur Gewichtsreduktion bei Coxarthrose schwächer ist als bei Gonarthrose, der Ansatz aber biomechanisch plausibel und vor einer Hüft-TEP auch wegen Risikofaktoren relevant ist [2,13].

Medikamente nur einordnend

Medikamente können Schmerzen lindern und Bewegung ermöglichen, heilen die Hüftarthrose aber nicht. NICE empfiehlt, falls Medikamente nötig sind, sie zusammen mit nicht-medikamentösen Maßnahmen und in der niedrigsten wirksamen Dosis für die kürzest mögliche Zeit einzusetzen [2]. Die American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) empfiehlt orale nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wenn keine Gegenanzeigen bestehen, zur Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung bei symptomatischer Hüftarthrose [12].

Injektionen nur einordnend

Intraartikuläre Kortikosteroid-Injektionen können laut AAOS kurzfristig Schmerzen reduzieren und Funktion verbessern; NICE empfiehlt Kortikosteroid-Injektionen, wenn andere medikamentöse Optionen nicht wirksam oder ungeeignet sind oder therapeutische Bewegung unterstützt werden soll, weist aber auf eine kurzfristige Wirkung von etwa 2 bis 10 Wochen hin [2,12]. Hyaluronsäure-Injektionen werden von NICE bei Arthrose nicht empfohlen, und AAOS empfiehlt intraartikuläre Hyaluronsäure bei symptomatischer Hüftarthrose nicht, weil sie Schmerzen und Funktion nicht besser als Placebo verbessert [2,12].

Hilfsmittel

Gehhilfen wie ein Stock können sinnvoll sein, wenn sie Schmerz reduzieren, Sicherheit erhöhen oder Gehstrecke verbessern [2]. Einlagen, Orthesen, Tape oder andere Hilfsmittel sollten nicht pauschal eingesetzt werden; sie können eher dann sinnvoll sein, wenn Instabilität oder auffällige biomechanische Belastung vorliegt und therapeutische Übungen allein nicht ausreichen oder nicht geeignet sind [2].

Praktische Unterstützung bei Hüfttraining, Gewichtsmanagement und Dranbleiben

Wenn du nach ärztlicher Abklärung unsicher bist, wie du Übungen, Belastung, Gehen und Kraftaufbau an deine Hüfte anpassen kannst, kann gesundheitsorientiertes Personal Training oder Online Coaching eine praktische Ergänzung sein. Es ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Behandlung.

Wenn eine langfristige Gewichtsreduktion für dich und deine Hüfte medizinisch sinnvoll ist, bietet Dein Abnehmen Ernährungsplan eine alltagsorientierte Struktur. Das ist keine medizinische Ernährungstherapie und keine Erfolgsgarantie.

Wenn nicht das Wissen, sondern das regelmäßige Umsetzen kleiner Schritte schwierig ist, kann Holistic Cloud dabei helfen, selbst gewählte Ziele, Routinen und Reflexion strukturiert zu verbinden. Die englischsprachige App ist kein Arthrose-Therapieangebot.

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Optionales Equipment für das Training zu Hause

Für viele Übungen reicht das eigene Körpergewicht. Wenn du den Widerstand fein abstufen oder Bodenübungen angenehmer durchführen möchtest, können einfache Trainingshilfen praktisch sein:

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Wann kann eine neue Hüfte sinnvoll sein?

Eine Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) kann infrage kommen, wenn anhaltende Schmerzen und Funktionsverlust die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, eine fortgeschrittene Coxarthrose im Röntgenbild zu Beschwerden und Untersuchung passt und geeignete konservative Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben oder nicht geeignet sind [2,12,13]. Das Röntgenbild allein genügt nicht; es gibt keine starre Alters- oder Schmerzgrenze.

EKIT-Hüfte nennt in der Regel mindestens drei Monate angemessene konservative Behandlung mit Aufklärung, Bewegungstherapie, körperlicher Aktivität und bei Bedarf Gewichtsmanagement [13]. Das bedeutet nicht, unwirksame Maßnahmen endlos zu wiederholen. Die ACR/AAHKS-Leitlinie von 2023 bezieht sich auf Erwachsene mit mäßigen bis starken Beschwerden, radiologisch mäßiger bis schwerer Arthrose, mindestens einem erfolglosen angemessenen nicht-operativen Versuch und bereits gemeinsam getroffener OP-Entscheidung. In dieser definierten Gruppe wird bedingt davon abgeraten, die OP nur für weitere vorgeschriebene Monate Physiotherapie, NSAR, Hilfsmittel oder Injektionen zu verzögern; die Evidenz ist niedrig bis sehr niedrig [16].

Wie lange hält eine Hüftprothese?

Auch bei der Hüftprothese ist ein fester Satz wie „sie hält 15 Jahre“ nicht allgemein gültig. Studien berichten meist die Revisionsfreiheit: Das Implantat musste bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewechselt werden. Diese Kennzahl sagt nicht automatisch, dass eine Person vollständig schmerzfrei oder mit der Funktion vollkommen zufrieden ist.

Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Analyse von acht nationalen Endoprothesenregistern umfasste rund 1,9 Millionen moderne Hüfttotalendoprothesen mit zeitgemäßen Gleitpaarungen. In den Registerdaten waren nach 20 Jahren 93,6 % (95-%-Konfidenzintervall 92,3–94,7) noch nicht revidiert. Für 25 Jahre wurden 92,8 % (91,2–94,2) und für 30 Jahre 92,1 % (90,1–93,7) modelliert. Die Werte nach 25 und 30 Jahren sind also statistische Projektionen und keine über diesen Zeitraum vollständig beobachteten Ergebnisse [18].

Die persönliche Standzeit hängt unter anderem von Alter, Diagnose, Implantat, Gleitpaarung, Fixation, Operationsqualität, Infektion, Aktivitätsprofil und weiteren gesundheitlichen Faktoren ab. Das Endoprothesenregister Deutschland betont deshalb, dass sich die Lebensdauer nicht für jede Person gleich vorhersagen lässt [19]. Besonders bei jüngeren Erwachsenen gehört das lebenslange Revisionsrisiko ausdrücklich in die gemeinsame Entscheidung.

Wann sollte man mit einer Hüft-OP eher warten?

Abwarten oder weitere konservative Behandlung kann sinnvoll sein, wenn Beschwerden mild oder schwankend sind, Alltag und Schlaf wenig beeinträchtigt sind, die Diagnose unsicher ist, Beschwerden und Bildgebung nicht zusammenpassen, eine aussichtsreiche nicht-operative Option noch nicht angemessen versucht wurde oder ein veränderbares Operationsrisiko zunächst verbessert werden sollte. Rauchen/Nikotin und unzureichend eingestellter Diabetes sind wichtige Beispiele. Adipositas allein ist nach ACR/AAHKS kein automatischer Grund für eine starre Verzögerung; Risiken und mögliche Gewichtsreduktion sollten individuell besprochen werden [16].

Für den geplanten Einsatz, Wechsel oder die Entfernung einer Hüfttotal- oder -teilprothese gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung seit 1. Juli 2024 ein formelles Zweitmeinungsverfahren [17]. Eine weitere qualifizierte Einschätzung kann zusätzlich sinnvoll sein – je nach Frage auch aus konservativer Orthopädie oder Physikalischer und Rehabilitativer Medizin. Die ausführliche Abwägung zu Nutzen, Risiken, Standzeit, Revision und jüngeren Erwachsenen erklärt der Artikel Was ist Arthrose? Behandlung und Gelenkersatz entscheiden.

Moderne OP-Ansätze bei Hüftarthrose

Bei fortgeschrittener symptomatischer Coxarthrose ist die Hüft-TEP ein etabliertes Verfahren. Moderne Hüftendoprothetik unterscheidet sich aber nicht nur nach „neue Hüfte ja oder nein“, sondern auch nach Implantattyp, Verankerung, Gleitpaarung, Zugang, Knochenqualität, Anatomie, Alter, Aktivitätsniveau, OP-Erfahrung und Reha-Konzept [12,13].

Die AAOS betont, dass es bei Hüft-TEP unterschiedliche Risiken und Vorteile verschiedener chirurgischer Zugänge gibt und dass kein einzelner Zugang für alle Menschen mit symptomatischer Hüftarthrose bevorzugt werden kann [12]. Deshalb ist eine pauschale Aussage wie „anterior ist immer besser“ oder „posterior ist immer schlechter“ wissenschaftlich zu einfach [12].

Tabelle 6: Hüftarthrose OP: Verfahren nüchtern eingeordnet. Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
OP-Ansatz Einfach erklärt Wann eher relevant? Wichtige Einschränkung
Hüft-TEP Hüftkopf und Hüftpfanne werden durch künstliche Gelenkanteile ersetzt. Bei fortgeschrittener symptomatischer Coxarthrose mit hohem Leidensdruck und unzureichender konservativer Therapie. Wirksames Standardverfahren, aber größerer Eingriff mit Reha, Komplikations- und Revisionsrisiken [12,13].
Kurzschaftprothese Kürzerer femoraler Schaft mit potenziell knochensparendem Konzept. Ausgewählte Personen mit passender Knochenqualität und Anatomie. Nicht automatisch besser; Daten, Erfahrung, Implantattyp und Patientenauswahl sind entscheidend [14].
Zementierte Verankerung Der Schaft wird mit Knochenzement verankert. Kann bei älteren Menschen oder erhöhtem Frakturrisiko diskutiert werden. AAOS sieht bei älteren Erwachsenen mögliche Vorteile hinsichtlich periprothetischer Frakturen; individuelle Risiken bleiben wichtig [12].
Zementfreie Verankerung Das Implantat soll in den Knochen einwachsen. Häufig bei guter Knochenqualität und passender Anatomie. Primärstabilität und Knochenqualität sind wichtig; nicht für jede Person optimal [12].
Hybride Versorgung Eine Komponente wird zementiert, die andere zementfrei verankert. Bei individueller Kombination aus Pfannen- und Schaftanforderungen. Entscheidung hängt von Knochen, Alter, Implantat und OP-Erfahrung ab [12].
Anteriorer Zugang Zugang von vorne. Kann je nach Anatomie und Team-Erfahrung geeignet sein. Kein Zugang ist pauschal für alle überlegen; jeder Zugang hat spezifische Risiken und Vorteile [12].
Posteriorer Zugang Zugang von hinten. Weit verbreiteter Zugang mit guter Übersicht bei vielen Situationen. Risiken und Reha-Hinweise müssen individuell besprochen werden [12].
Lateraler / anterolateraler Zugang Zugang seitlich oder vorne-seitlich. Kann bei bestimmten anatomischen oder chirurgischen Präferenzen genutzt werden. Auch hier gilt: nicht pauschal besser, sondern individuell abzuwägen [12].
Hüftarthroskopie Gelenkspiegelung, zum Beispiel bei ausgewählten Labrum- oder Impingementproblemen. Eher bei speziellen strukturellen Problemen und nicht bei fortgeschrittener Coxarthrose als Standard. Bei fortgeschrittener Arthrose ist sie keine Standardlösung; Indikation sehr sorgfältig prüfen [1,13].

Konservative Therapie oder OP: Vorteile und Nachteile

Tabelle 7: Hüftgelenksarthrose Behandlung: konservativ oder OP? Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
Strategie Mögliche Vorteile Mögliche Nachteile / Grenzen Wann eher passend?
Konservative Therapie Erhält das eigene Gelenk, kann Schmerz und Funktion verbessern, niedrigeres unmittelbares OP-Risiko. Erfordert Zeit, Anpassung und regelmäßige Umsetzung; bei fortgeschrittener Arthrose manchmal nicht ausreichend. Bei milden bis moderaten Beschwerden oder nicht ausgeschöpfter Therapie [1,2,8–11,13].
Training und Ausdauer Verbessert Kraft, Beweglichkeit, Gangbild, Fitness und Selbstwirksamkeit. Effekte sind oft moderat und individuell unterschiedlich. Als Kernbehandlung bei vielen Menschen mit Hüftarthrose [1,2,8–11].
Medikamente / Injektionen Können Schmerzen reduzieren und Bewegung erleichtern. Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und meist keine dauerhafte Lösung. Ergänzend bei Schmerzphasen, ärztlich abgewogen [2,12].
Prehabilitation Kann vor einer OP Kraft, Funktion, Erwartungen und Reha-Vorbereitung unterstützen. Evidenz ist heterogen; nicht jede Intervention zeigt klare postoperative Vorteile. Bei geplanter OP als strukturierte Vorbereitung, realistisch eingeordnet [13,15].
Hüft-TEP Kann bei fortgeschrittener Coxarthrose Schmerzen, Funktion und Lebensqualität deutlich verbessern. Operationsrisiken, Reha, mögliche Restbeschwerden, Luxation, Infektion, Lockerung oder Revision. Bei fortgeschrittener radiologischer Arthrose, hohem Leidensdruck und erfolgloser konservativer Therapie [12,13].

Checkliste: konservative Therapie oder OP-Beratung?

Die folgende Checkliste ersetzt keine ärztliche Entscheidung. Sie hilft, die eigene Situation zu sortieren und das Gespräch mit Orthopädie, Hausarztpraxis oder Physiotherapie vorzubereiten [2,12,13].

Entscheidungsmatrix bei Hüftarthrose mit vier Prüfschritten zu Beschwerden, Diagnose, konservativer Behandlung und gemeinsamer OP-Abwägung

Falls die Matrix nicht vollständig auf deinen Bildschirm passt, kannst du sie seitlich verschieben.

Abbildung 2: So liest du die Matrix: Beginne oben bei Schritt 1 und gehe die Zeilen nacheinander durch. Ein „Nein oder unklar“ bedeutet nicht automatisch „keine OP“, sondern zeigt, was zunächst geklärt oder gezielt optimiert werden sollte. Erst wenn Beschwerden und Funktionsverlust relevant sind, Diagnose und Röntgenbefund zum klinischen Gesamtbild passen, geeignete konservative Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben und Nutzen, Risiken sowie Rehabilitation gemeinsam besprochen wurden, kann eine OP-Beratung sinnvoll sein. Die Matrix ist eine Orientierung und kein individueller OP-Score.
Tabelle 8: Checkliste: konservative Therapie oder OP-Beratung? Hinweis: Auf kleinen Displays kann die Tabelle seitlich verschoben werden.
Frage Spricht eher für konservativ weiter Spricht eher für OP-Beratung Was besprechen?
Wie stark sind Schmerzen und Einschränkungen? Beschwerden sind mild bis moderat, Alltag noch gut möglich. Gehen, Treppen, Schuheanziehen, Schlaf, Arbeit oder Teilhabe sind stark eingeschränkt. Schmerzprofil, Gehstrecke, Lebensqualität [2,13].
Wurde konservative Therapie angemessen versucht? Noch kein strukturiertes Training, keine Bewegungstherapie oder keine passende Anpassung. Mindestens mehrere Monate angemessene konservative Therapie ohne ausreichenden Erfolg. Dauer, Qualität und Inhalte der bisherigen Therapie [2,13].
Was zeigt das Röntgenbild? Geringe Veränderungen oder unklare Befunde. Fortgeschrittene Coxarthrose passend zu Beschwerden und Funktionseinschränkung. Kellgren-Lawrence-Grad, Gelenkspalt, Hüftform, OP-Relevanz [13].
Gibt es modifizierbare Risiken? Rauchen, Diabetes, Gewicht, Hautzustand, Infektionsrisiken oder Kraftdefizite sollten zunächst verbessert werden. Risiken sind besprochen, optimiert oder bewusst abgewogen. Infektionsrisiko, Frakturrisiko, Reha-Fähigkeit, Erwartungen [12,13].
Sind Erwartungen realistisch? Unklare Erwartungen oder Wunsch nach „Hüfte wie mit 20“. Realistische Ziele, Verständnis für Reha, Risiken und mögliche Restbeschwerden. Alltagsziele, Sportziele, Reha, OP-Zugang, Implantattyp [12,13].

Fragen fürs Arztgespräch

Zum Mitnehmen oder Abfotografieren
  • Passt mein Schmerzbild typisch zu Hüftgelenksarthrose oder kommen Rücken, Leiste, Sehnen, Nerven oder andere Ursachen infrage?
  • Welche Befunde in meiner Untersuchung sprechen für Coxarthrose?
  • Wie stark sind Innenrotation, Beweglichkeit, Gangbild und Abduktorenkraft eingeschränkt?
  • Brauche ich aktuell ein Röntgenbild oder ein MRT, und was würde das Ergebnis konkret an der Behandlung ändern?
  • Welche konservativen Maßnahmen sollte ich mindestens wie lange versuchen?
  • Welche Hüftarthrose Übungen passen zu meiner Situation, und welche Bewegungen sollte ich vorübergehend anpassen?
  • Welche Schmerzreaktion nach Training ist akzeptabel?
  • Welche Medikamente oder Injektionen kommen bei meinen Vorerkrankungen infrage, und welche Risiken gibt es?
  • Ist bei mir eine Hüft-TEP überhaupt schon ein Thema?
  • Wenn ja: Welche Verankerung, welcher Zugang und welche Implantatoptionen passen zu Knochenqualität, Anatomie und Aktivitätsziel?
  • Welche Risiken sollte ich vor einer möglichen OP verbessern?
  • Was ist ein realistisches Ziel für die nächsten 8 bis 12 Wochen?

Passende interne Vertiefungen

FAQ: Häufige Fragen zu Hüftgelenksarthrose Übungen und neuer Hüfte

Welche Übungen sind bei Hüftgelenksarthrose am besten?

Es gibt nicht die eine beste Übung für alle. Häufig sinnvoll sind Kräftigungsübungen für Gesäßmuskulatur, Abduktoren, Adduktoren, Hüftstreckung und Rumpf, kombiniert mit Beweglichkeit und gelenkschonender Ausdauer [1,2,8–11].

Ist Krafttraining bei Hüftarthrose gefährlich?

Richtig dosiertes Krafttraining ist ein wichtiger konservativer Baustein. Problematisch wird es eher, wenn Last, Bewegungsumfang oder Umfang zu schnell gesteigert werden oder wenn bei stechendem Leistenschmerz, Hinken oder Nachtschmerz weitertrainiert wird [1,2,8–11].

Darf ich bei Hüftarthrose Kniebeugen machen?

Kniebeugen können möglich sein, müssen aber an Beweglichkeit, Schmerzreaktion und Technik angepasst werden. Bei Leistenschmerz in tiefer Hüftbeugung sind höhere Box-Squats, Stuhl-Aufstehen, Beinpresse mit begrenztem Bewegungsradius oder Hip-Hinge-Varianten oft besser dosierbar [1,2,8–11].

Ist Radfahren gut bei Hüftarthrose?

Radfahren oder Ergometertraining ist für viele Betroffene gut steuerbar, weil Widerstand, Dauer und Bewegungsumfang angepasst werden können. Bei Leistenschmerz sollten Sattelhöhe, Widerstand und Hüftbeugung geprüft werden [1,2,8–11].

Warum tut Hüftarthrose oft in der Leiste weh?

Das Hüftgelenk projiziert Schmerzen häufig in die Leiste, manchmal auch ins Gesäß, an die Außenseite der Hüfte, in den vorderen Oberschenkel oder bis zum Knie. Dennoch können Leistenbeschwerden auch andere Ursachen haben und sollten bei unklarem Verlauf abgeklärt werden [1,5].

Wann brauche ich ein MRT bei Hüftarthrose?

Ein MRT ist bei typischer Coxarthrose nicht automatisch nötig. Es kann sinnvoll sein, wenn Diagnose und Röntgen nicht zusammenpassen oder wenn Verdacht auf Hüftkopfnekrose, Stressfraktur, Labrumproblem, Entzündung oder andere Ursachen besteht [1,2,13].

Hilft Abnehmen bei Hüftarthrose?

Bei Übergewicht oder Adipositas kann Gewichtsmanagement sinnvoll sein. NICE nennt für Arthrose allgemein Vorteile für Schmerz, Funktion und Lebensqualität; EKIT-Hüfte weist darauf hin, dass direkte Evidenz bei Coxarthrose schwächer ist, der Ansatz aber biomechanisch plausibel und für OP-Risiken relevant sein kann [2,13].

Wann ist eine neue Hüfte sinnvoll?

Eine Hüft-TEP kann sinnvoll sein, wenn eine fortgeschrittene radiologische Coxarthrose vorliegt, hoher Leidensdruck besteht, Alltag und Lebensqualität deutlich eingeschränkt sind und eine angemessene konservative Therapie nicht ausreichend geholfen hat [12,13].

Welcher Hüft-OP-Zugang ist der beste?

Es gibt keinen OP-Zugang, der pauschal für alle Menschen der beste ist. AAOS betont, dass verschiedene Zugänge spezifische Risiken und Vorteile haben und kein einzelner Zugang allgemein bevorzugt werden kann [12].

Ist eine Kurzschaftprothese besser?

Eine Kurzschaftprothese kann bei ausgewählten Personen mit passender Anatomie und Knochenqualität eine Option sein. Sie ist aber nicht automatisch besser als eine Standardprothese; Implantattyp, Erfahrung, Langzeitdaten, Knochenqualität und individuelle Ziele müssen berücksichtigt werden [14].

Fazit

Hüftgelenksarthrose ist mehr als ein abgenutzter Knorpel. Sie betrifft das Hüftgelenk als funktionelles System aus Knorpel, Knochen, Gelenkkapsel, Gelenkinnenhaut, Muskulatur, Belastung, Hüftform und Schmerzverarbeitung [1,3,4].

Für viele Betroffene ist ein aktiver konservativer Ansatz der wichtigste erste Schritt: Aufklärung, individuell dosierte Hüftgelenksarthrose Übungen, Krafttraining, Beweglichkeit, Ausdauer, Alltagsanpassung und bei Bedarf Gewichtsmanagement [1,2,8–11,13]. Eine neue Hüfte kann sehr sinnvoll sein, wenn fortgeschrittene Coxarthrose, hoher Leidensdruck und erfolglose konservative Therapie zusammenkommen; sie sollte aber nicht als reine Röntgenentscheidung, sondern als gemeinsame Nutzen-Risiko-Entscheidung verstanden werden [12,13].

Literaturverzeichnis

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  2. National Institute for Health and Care Excellence. Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. NICE guideline NG226. Published 19 October 2022. URL: https://www.nice.org.uk/guidance/ng226. Abruf: September 2026.
  3. Tang S, Zhang C, Oo WM, Fu K, Risberg MA, Bierma-Zeinstra SMA, Neogi T, Atukorala I, Malfait AM, Ding C, Hunter DJ, et al. Osteoarthritis. Nature Reviews Disease Primers. 2025;11:10. DOI: 10.1038/s41572-025-00594-6.
  4. Hunter DJ, Bierma-Zeinstra S. Osteoarthritis. The Lancet. 2019;393(10182):1745–1759. DOI: 10.1016/S0140-6736(19)30417-9.
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  6. Casartelli NC, Maffiuletti NA, Valenzuela PL, Grassi A, Ferrari E, van Buuren MMA, Nevitt MC, Leunig M, Agricola R. Is hip morphology a risk factor for developing hip osteoarthritis? A systematic review with meta-analysis. Osteoarthritis and Cartilage. 2021;29(9):1252–1264. DOI: 10.1016/j.joca.2021.06.007.
  7. Unverzagt S, Bolm-Audorf U, Frese T, Hechtl J, Liebers F, Moser K, Seidler A, Weyer J, Bergmann A. Influence of physically demanding occupations on the development of osteoarthritis of the hip: a systematic review. Journal of Occupational Medicine and Toxicology. 2022;17:18. DOI: 10.1186/s12995-022-00358-y.
  8. Fransen M, McConnell S, Hernandez-Molina G, Reichenbach S. Exercise for osteoarthritis of the hip. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2014;4:CD007912. DOI: 10.1002/14651858.CD007912.pub2.
  9. Teirlinck CH, Verhagen AP, van Ravesteyn LM, Reijneveld-van de Vendel EAE, Runhaar J, van Middelkoop M, Ferreira ML, Bierma-Zeinstra SMA. Effect of exercise therapy in patients with hip osteoarthritis: A systematic review and cumulative meta-analysis. Osteoarthritis and Cartilage Open. 2023;5(1):100338. DOI: 10.1016/j.ocarto.2023.100338.
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  11. Bannuru RR, Osani MC, Vaysbrot EE, Arden NK, Bennell K, Bierma-Zeinstra SMA, Kraus VB, Lohmander LS, Abbott JH, Bhandari M, Blanco FJ, Espinosa R, Haugen IK, Lin J, Mandl LA, et al. OARSI guidelines for the non-surgical management of knee, hip, and polyarticular osteoarthritis. Osteoarthritis and Cartilage. 2019;27(11):1578–1589. DOI: 10.1016/j.joca.2019.06.011.
  12. American Academy of Orthopaedic Surgeons. Management of Osteoarthritis of the Hip. Evidence-Based Clinical Practice Guideline. Adopted 1 December 2023. URL: https://www.aaos.org/oahcpg. Abruf: September 2026.
  13. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte). AWMF-Registernummer 187-001, Klasse S3, Version 1.0, 24.03.2021. URL: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-001. Abruf: September 2026.
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  17. Gemeinsamer Bundesausschuss. Zweitmeinungsverfahren bei Eingriffen zum Einsatz einer Hüfttotal- oder -teilprothese sowie zum Wechsel oder Entfernen. Inkrafttreten: 1. Juli 2024. URL: https://www.g-ba.de/beschluesse/6295/. Abruf: September 2026.
  18. Pentland N, et al. How long do modern total hip replacements last? A systematic review and meta-analysis of case series and national registry reports. The Lancet. 2026. DOI: 10.1016/S0140-6736(25)02305-0.
  19. Endoprothesenregister Deutschland (EPRD). Patienteninformation 2025. Individuelle Einflussfaktoren auf Haltbarkeit und Wechselrisiko von Endoprothesen. URL: https://www.eprd.de/de/patienten/. Abruf: September 2026.
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