Übungstechnik wissenschaftlich eingeordnet

Good Mornings: richtige Ausführung, Muskeln & Unterschied zum Romanian Deadlift

Stand: 2. Oktober 2026 · Wissenschaftlich geprüft und aktualisiert · Lesezeit: ca. 17 Minuten

Kurzantwort: Was trainieren Good Mornings?

Good Mornings sind eine Hip-Hinge-Übung: Die Hauptbewegung findet in der Hüfte statt, während eine Langhantel auf dem oberen Rücken liegt.1 Besonders beteiligt sind die hüftstreckenden Anteile der hinteren Oberschenkelmuskulatur, die Gesäßmuskulatur und die Rückenstrecker.123 Daraus folgt jedoch weder, dass Good Mornings eine reine „Übung für den unteren Rücken“ sind, noch dass sie nachweislich die beste Hamstring-Übung darstellen; ein kleiner akuter EMG-Vergleich fand sogar höhere Hamstring-Aktivität beim Romanian Deadlift und Glute-Ham Raise.45 Für die Tiefe gilt: Ein universeller Sicherheits-Grenzwert von 90° Hüftbeugung lässt sich aus der verfügbaren Hüftbiomechanik nicht ableiten.6 In der direkten Good-Morning-Studie lag die mittlere Hüftbeugung am tiefsten Punkt über Lasten von 50–90 % des Einwiederholungsmaximums bei ungefähr 75°.2 Die hier identifizierte direkte Good-Morning-Literatur besteht überwiegend aus Technik-, Akut- und Biomechanikarbeiten; direkte langfristige Vergleiche zu Muskelaufbau, Kraft oder Verletzungen wurden in dieser Evidenzbasis nicht gefunden.12478

Der Name klingt nach höflicher Verbeugung, die Übung selbst ist eher ein kontrollierter Hüftknick mit Langhantel. 😄 Entscheidend ist nicht, den Oberkörper möglichst tief zu bekommen. Entscheidend ist, dass du die Hüfte kontrolliert nach hinten bewegst, die Last beherrschst und nur so weit gehst, wie du die gewünschte Bewegung ohne Ausweichmanöver reproduzierbar ausführen kannst.1

Wichtige Begriffe kurz erklärt
Hip Hinge
Ein Bewegungsmuster, bei dem vor allem Hüftbeugung und Hüftstreckung stattfinden: Das Becken bewegt sich nach hinten und später wieder nach vorn. Die Knie dürfen leicht gebeugt sein, sollen die Bewegung aber nicht in eine Kniebeuge verwandeln.1
Hamstrings / ischiocrurale Muskulatur
Die Muskelgruppe an der Oberschenkelrückseite. Für die Hüftstreckung sind vor allem Musculus semitendinosus, Musculus semimembranosus und der lange Kopf des Musculus biceps femoris relevant. Der kurze Bizepskopf überquert das Hüftgelenk nicht.3
Rückenstrecker
Damit ist hier vor allem der Musculus erector spinae gemeint. Bei Good Mornings trägt er wesentlich dazu bei, den Rumpf gegen das nach vorn beugende Drehmoment der Last zu kontrollieren.12
Neutrale Wirbelsäulenposition
„Neutral“ bedeutet nicht schnurgerade oder flach. Gemeint ist eine kontrollierte, individuell natürliche Wirbelsäulenstellung ohne erzwungenes starkes Rund- oder Hohlkreuz. Kleine Bewegungen der Wirbelsäule sind nicht automatisch ein Fehler oder eine Verletzung. Eine systematische Übersichtsarbeit fand nur niedrigqualitative Evidenz dafür, dass mehr Lendenwirbelsäulenbeugung beim Heben kein klarer Risikofaktor für das Auftreten oder Fortbestehen von unspezifischem Kreuzschmerz war; das ist allerdings keine Good-Morning-spezifische Sicherheitsstudie.9
Elektromyografie (EMG)
Eine Messmethode für die elektrische Aktivität, die mit der Muskelansteuerung verbunden ist. EMG kann Unterschiede während einer konkreten Aufgabe zeigen. Eine höhere akute EMG-Amplitude beweist aber nicht automatisch mehr langfristigen Muskelaufbau, mehr Kraftzuwachs oder ein niedrigeres Verletzungsrisiko.105
Hüftbeugewinkel
Der Winkel beschreibt die Bewegung zwischen Oberschenkelknochen und Becken. Er ist nicht identisch mit der Frage, wie waagerecht der Oberkörper zum Boden steht: Beckenbewegung und Wirbelsäulenbewegung beeinflussen die sichtbare Rumpfneigung zusätzlich. In einer direkten Good-Morning-Studie lagen am tiefsten Punkt im Mittel ungefähr 75° Hüftbeugung vor.2
Gelenkreaktionskraft / Kontaktdruck
Damit sind mechanische Kräfte beziehungsweise Druckverteilungen zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne gemeint. Sie hängen von Bewegung, äußerer Last, Muskelkräften, Gelenkstellung und Anatomie ab. Ein höherer Mess- oder Modellwert ist nicht automatisch gleichbedeutend mit Gewebeschaden; biomechanische Belastung und Verletzungsrisiko sind unterschiedliche Fragen.6
1RM
Das Einwiederholungsmaximum (One-Repetition Maximum): die höchste Last, die unter den jeweiligen Testbedingungen einmal erfolgreich bewegt werden kann. In der direkten Good-Morning-Studie wurden Belastungen beispielsweise als Prozent des individuellen 1RM vorgegeben.2

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Good Mornings sind primär ein Hip Hinge und keine Kniebeuge.1
  • Hamstrings, Gesäßmuskulatur und Rückenstrecker tragen wesentlich zur Bewegung und Kontrolle bei.13
  • Der Oberkörper muss nicht parallel zum Boden kommen. In der direkten Good-Morning-Studie lag die Hüftbeugung am tiefsten Punkt im Mittel bei ungefähr 75° – nicht über 90°.2
  • 90° Hüftbeugung sind kein universeller Sicherheits-Grenzwert. Gesunde junge Erwachsene erreichen bei tiefen Kniebeugen im Mittel mehr als 90°, während bei Menschen mit symptomatischem femoroacetabulärem Impingement ein knöcherner/labraler Kontakt auch deutlich unter 90° auftreten kann. Winkel, Morphologie, Rotation/Adduktion, Last und Symptome müssen zusammen betrachtet werden.111213
  • Mit steigender Last verändern Trainierende ihre Good-Morning-Technik teilweise automatisch; in einer kleinen Studie nahm unter anderem die Kniebeugung zu.2
  • Akute EMG-Daten zeigen Muskelaktivität, aber keine langfristige „Gewinnerübung“ für Muskelaufbau.105
  • Good Morning und Romanian Deadlift (RDL) ähneln sich als Hip-Hinge-Übungen, unterscheiden sich aber vor allem durch die Position der Last.1 Der kleine akute EMG-Vergleich erlaubt keine langfristige Rangliste für Muskelaufbau oder Kraft.45

Was sind Good Mornings?

Good Mornings sind eine Langhantelübung aus dem Krafttraining. Die Hantel liegt auf dem oberen Rücken beziehungsweise im Bereich des oberen Trapezmuskels. Von dort wird der Oberkörper über eine kontrollierte Hüftbeugung nach vorn geneigt und anschließend durch Hüftstreckung wieder aufgerichtet. In der Fachliteratur wird die Übung deshalb als Hip-Hinge- beziehungsweise Hüftstreckübung eingeordnet.1

Der Name beschreibt also eher die Optik der Bewegung als die Trainingswirkung: Man „verbeugt“ sich – nur mit dem kleinen Unterschied, dass beim höflichen Morgengruß normalerweise keine Langhantel auf dem Rücken liegt. Was vermutlich sozial verträglicher ist. 😄

Good Mornings können als eine von mehreren Möglichkeiten genutzt werden, die hintere Muskelkette und Hüftstreckung belastet zu trainieren.1 Sie sind aber keine Pflichtübung. Romanian Deadlifts, Kreuzheben, Hip-Thrust-Varianten oder andere Hüftstreckübungen setzen andere mechanische Schwerpunkte; welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Trainingsziel, der restlichen Trainingsplanung und der individuellen Verträglichkeit ab. Für Krafttraining insgesamt zeigt die aktuelle Evidenz, dass unterschiedliche sinnvoll programmierte Ansätze wirksam sein können.14

Welche Muskeln trainieren Good Mornings?

Bei Good Mornings arbeitet kein Muskel isoliert. Die Übung erfordert ein Zusammenspiel aus Hüftstreckung, Kniekontrolle und Rumpfstabilisierung; die direkten Good-Morning-Daten und die anatomische Hüftliteratur sprechen besonders für eine relevante Beteiligung von Hamstrings, Gesäßmuskulatur und Rückenstreckern.123

Tabelle 1: Wichtige Muskelgruppen bei Good Mornings und was die Evidenz dazu tatsächlich erlaubt.
Muskel / GruppeAufgabe bei der BewegungWas ist gut belegt?Was sollte man nicht daraus ableiten?
Hamstrings / ischiocrurale MuskulaturDie hüftüberspannenden Hamstrings können die Hüftstreckung unterstützen und die Vorwärtsbewegung kontrollieren.3Biomechanische, Modellierungs- und EMG-Studien zeigen eine relevante Beteiligung. Die Aktivierung verändert sich mit Übung und Last.247Aus akuter Muskelaktivität lässt sich keine langfristige Hypertrophie-Rangliste ableiten.5
GesäßmuskulaturVor allem der Gluteus maximus ist ein wichtiger Hüftstrecker und kann zur Aufrichtung aus der Hüftbeugung beitragen.3Die Good-Morning-Technikliteratur ordnet die Glutealmuskulatur der beanspruchten hinteren Muskelkette zu.1In der hier herangezogenen direkten Good-Morning-Evidenzbasis finden sich keine Langzeitdaten dazu, wie stark Good Mornings speziell den Gluteus maximus wachsen lassen.127
RückenstreckerSie tragen dazu bei, das nach vorn beugende Rumpfmoment unter Last zu kontrollieren und die Rumpfposition zu stabilisieren.12Akute EMG-Daten zeigen eine deutliche Beteiligung des Erector spinae.24„Hohe Rückenstreckeraktivität“ bedeutet weder automatisch „gefährlich“ noch beweist sie eine besondere Langzeitwirkung.10
Weitere beteiligte MuskulaturAls Mehrgelenkübung erfordern Good Mornings zusätzlich Stabilisation durch weitere Rumpf- und Beinmuskulatur.13Der Technikreview ordnet Good Mornings als Übung der posterioren Muskelkette ein; die direkte Forschung misst jedoch nur ausgewählte Muskeln.124Aus der Beteiligung lässt sich keine gezielte langfristige Trainingswirkung für jeden stabilisierenden Muskel ableiten; die direkten Good-Morning-Studien messen nur ausgewählte akute beziehungsweise modellierte Größen.27

Tabelle auf kleinen Displays seitlich verschieben.

FEE ≠ BroScience: Was sagt die EMG-Forschung?

In einer kleinen Studie mit zwölf krafttrainierten Männern wurden Good Mornings, Romanian Deadlifts, Leg Curls und Glute-Ham Raises bei einer einzelnen Wiederholung mit 85 % des jeweiligen 1RM verglichen. Die Hamstring-Aktivität war in dieser Untersuchung beim Romanian Deadlift und beim Glute-Ham Raise am höchsten; außerdem war der Semitendinosus über die Übungen hinweg stärker aktiv als der Bizeps femoris.4

Das ist interessant für die akute Muskelansteuerung – aber kein Muskelaufbau-Rennen mit Siegerpodest. Oberflächen-Elektromyografie (EMG) misst elektrische Signale während der Aufgabe. Methodische Arbeiten warnen ausdrücklich davor, solche Akutwerte direkt als Vorhersage für langfristige Hypertrophie oder Kraftanpassungen zu verwenden.105

Was zeigt die Forschung zu Good Mornings wirklich?

Die direkte Good-Morning-Forschung ist deutlich kleiner, als man anhand der Selbstsicherheit mancher Gym-Diskussion vermuten könnte. 😄 Die hier identifizierten direkten Arbeiten untersuchen vor allem Technik, Bewegung, Gelenkmomente, modellierte Muskelkräfte und akute Muskelaktivität; direkte randomisierte Langzeitvergleiche zu Muskelaufbau, Maximalkraft oder Verletzungen wurden in dieser Evidenzbasis nicht gefunden.12478

Mehr Last verändert nicht nur „wie schwer“ sich die Übung anfühlt

Vigotsky und Kollegen untersuchten 15 trainierte Männer, die Good Mornings mit 50 bis 90 % ihres 1RM ausführten. Mit steigender Last nahm die integrierte EMG-Aktivität der Hamstrings und Rückenstrecker tendenziell zu. Gleichzeitig beugten die Teilnehmer bei höheren Lasten ihre Knie stärker, wodurch sich auch die geschätzte Hamstring-Länge veränderte. Die Studie zeigt damit vor allem: Wenn die Last steigt, kann sich auch die Ausführung verändern.2

Praktische Einordnung: Die beobachtete Technikveränderung unter höherer Last spricht dafür, Progression nicht nur über Kilogramm, sondern auch über reproduzierbare Bewegung und Kontrolle zu beurteilen.2

Biomechanik beschreibt Belastung – nicht automatisch Verletzungsgefahr

Eine kleine biomechanische Studie verglich Good Mornings mit konventionellem Kreuzheben. Bei vergleichbarer Zusatzlast zeigten sich Unterschiede in Knie- und Hüftbewegung sowie in den Gelenkmomenten; am Lendenwirbelsäulenbereich wurden ebenfalls Belastungsgrößen modelliert.8 Eine weitere Modellierungsstudie untersuchte daraus abgeleitete Muskelkräfte bei Good Mornings, Kreuzheben und Split Squats.7

Wichtig: Solche Studien beschreiben mechanische Anforderungen während einer Übung; sie erfassen in diesem Design keine Verletzungsinzidenz. Aus einem höheren Gelenkmoment oder einer bestimmten modellierten Belastungsgröße lässt sich deshalb nicht direkt „gefährlich“ oder „sicher“ ableiten.78

Good Mornings richtig ausführen: 6 Schritte

1. Langhantel positionierenLege die Hantel stabil auf den oberen Rücken beziehungsweise in den Bereich des oberen Trapezmuskels. Sie sollte nicht unangenehm direkt auf knöchernen Strukturen der Halswirbelsäule drücken.115
2. Stabil stehenWähle einen stabilen Stand, typischerweise ungefähr hüft- bis schulterbreit, und halte die Hantel sicher auf dem oberen Rücken.115
3. Knie leicht beugenDie Knie dürfen leicht gebeugt sein und sollten während der Wiederholung relativ wenig Bewegung zeigen, damit der Good Morning ein hüftdominantes Bewegungsmuster bleibt.12
4. Hüfte nach hinten schiebenBewege das Becken kontrolliert nach hinten und neige dadurch den Rumpf nach vorn. Das entspricht dem beschriebenen Hip-Hinge-Muster der Übung.115
5. Tiefe nicht zum Selbstzweck machenStoppe, wenn du Rumpf, Becken und Hantel nicht mehr kontrolliert positionieren kannst oder die zusätzliche Tiefe nur über deutlich mehr Kniebeugung beziehungsweise erzwungene Ausweichbewegung entsteht. In der direkten Good-Morning-Studie lag die mittlere Hüftbeugung am tiefsten Punkt bei etwa 75°; ein Zielbereich jenseits von 90° wurde dort weder untersucht noch als notwendig gezeigt.2 Bei schmerzhaftem Einklemmen vorne in Hüfte/Leiste, schmerzhaftem Schnappen oder Blockieren sollte die Bewegung nicht erzwungen, sondern angepasst und bei anhaltenden Beschwerden fachlich eingeordnet werden.1316
6. Über die Hüfte aufrichtenStrecke die Hüfte kontrolliert, bis du wieder aufrecht stehst. Ein zusätzliches aggressives Nach-vorn-Schieben der Hüfte oder erzwungenes Hohlkreuz ist für die Endposition nicht erforderlich.115
Good Mornings Ausgangsstellung mit Langhantel auf dem oberen Rücken
Ausgangsstellung: Langhantel stabil auf dem oberen Rücken, Knie leicht gebeugt, Rumpf kontrolliert. Vorhandenes Originalbild aus dem bisherigen FEE-Beitrag.
Good Mornings Endposition nach kontrollierter Hüftbeugung
Vorwärtsposition: Die Hüfte ist nach hinten bewegt, der Rumpf nach vorn geneigt. Die sichtbare Rumpfneigung entspricht nicht automatisch dem Hüftbeugewinkel; Becken und Wirbelsäule tragen ebenfalls zur Gesamtposition bei.3 Die individuelle Tiefe ist kein Qualitätswettbewerb.
Ein einfacher Technik-Cue

Ein möglicher Technik-Cue lautet: Stell dir vor, du möchtest mit dem Gesäß eine Wand hinter dir berühren. Wenn diese Vorstellung die gewünschte Hüftbewegung für dich leichter reproduzierbar macht, kann sie praktisch nützlich sein; wenn nicht, braucht es einen anderen Cue.

Good Mornings im Video

Das folgende FEE-Video zeigt die Übung praktisch. Es stammt aus dem ursprünglichen Beitrag und wird im aktualisierten Artikel als Bewegungsdemonstration weiterverwendet. Die wissenschaftliche Einordnung im Text ist aktueller und differenzierter als die damalige Videobeschreibung.

Video: „Good Mornings Ausführung – Unteren Rücken richtig trainieren“, Fitness Einfach Erklärt.

Kostenloser Praxis-Check Übungstechnik systematisch prüfen

Wenn du Übungen nicht nur „irgendwie“ nachmachen möchtest, kannst du die kostenlose Übungstechnik-Checkliste von Fitness Einfach Erklärt nutzen. Sie hilft dir, Ausgangsposition, Bewegung, Belastung und typische Fehler strukturiert zu beurteilen.

Kostenlose Checkliste ansehen

Kostenlos nach bestätigter Newsletter-Anmeldung (Double-Opt-in). Die Checkliste bietet allgemeine Orientierung und ersetzt kein persönliches Technikfeedback.

Wie tief sollte man gehen – und ist mehr als 90° Hüftbeugung problematisch?

90° Hüftbeugung sind weder eine magische Gefahrenlinie noch ein sinnvolles Tiefenziel für Good Mornings. Zunächst wichtig: „Oberkörper parallel zum Boden“ bedeutet biomechanisch nicht automatisch „90° Hüftbeugung“. Der Hüftbeugewinkel beschreibt die Bewegung des Femurs relativ zum Becken; Becken- und Wirbelsäulenbewegung beeinflussen zusätzlich, wie weit der Rumpf optisch nach vorn geneigt ist.3

Die direkteste Good-Morning-Studie ist hier besonders hilfreich: Bei 15 trainierten Männern lag die mittlere Hüftbeugung am tiefsten Punkt bei Belastungen von 50 bis 90 % des Einwiederholungsmaximums sehr konstant bei etwa 75° (ungefähr 74,7–75,8°). Gleichzeitig nahm mit höherer Last vor allem die Kniebeugung zu.2 Das ist keine Studie über den „optimalen“ Hüftwinkel und auch keine Sicherheitsstudie. Sie zeigt aber: Die untersuchten Good Mornings benötigten keine Hüftbeugung über 90°.

Mehr Hüftbeugung bedeutet nicht automatisch „Hüftgelenk kaputt“

Biomechanisch verändern sich mit Gelenkstellung, äußerer Last und den zur Stabilisierung nötigen Muskelkräften auch Kräfte und Kontaktbedingungen im Hüftgelenk. Eine Scoping-Review zu Hüftgelenk-Kontaktdruck und -kräften zeigt zugleich, wie stark diese Werte von Belastung, Labrumstatus sowie Form und Orientierung von Femur und Acetabulum abhängen. Die eingeschlossenen Studien nutzten sehr unterschiedliche Bedingungen; daraus lässt sich kein allgemeiner Grenzwert ableiten, ab dem eine bestimmte Hüftbeugung „zu viel Druck“ oder Gewebeschaden bedeutet.6

Dass Hüftbeugung über 90° bei einem gesunden Hüftgelenk nicht automatisch pathologisch ist, zeigt beispielsweise eine biomechanische Studie mit 35 jungen, sportlichen Erwachsenen: Bei tiefen Kniebeugen wurden im Mittel rund 107° Hüftbeugung und modellierte Spitzen-Hüftgelenkreaktionskräfte von etwa 2,74-fachem Körpergewicht erreicht.11 Das beweist ausdrücklich nicht, dass jede tiefe belastete Position für jede Person langfristig sicher ist – und eine Kniebeuge ist kein Good Morning. Es zeigt nur, warum „über 90° = automatisch schädlich“ als allgemeine Regel zu grob wäre.

Bei bestimmter Hüftmorphologie kann Kontakt schon deutlich früher auftreten

Umgekehrt ist 90° auch keine Garantie dafür, dass darunter „alles frei“ ist. In einer 2026 veröffentlichten Studie mit 108 operierten Patientinnen und Patienten mit femoroacetabulärem Impingement-Syndrom (FAIS) trat der arthroskopisch beobachtete Kontakt zwischen einer femoralen Knorpelläsion und dem Labrum bei neutraler Rotation im Mittel bereits bei etwa 63° Hüftbeugung auf; die Spannweite reichte von rund 40° bis 95°.12 Diese Zahlen gelten nicht für gesunde Hüften – die Population hatte bereits ein symptomatisches, operativ behandeltes FAIS. Sie zeigen aber sehr deutlich, dass ein einziger Winkel die individuelle Hüftmechanik nicht beschreibt.

Das internationale Warwick-Konsensusstatement definiert ein FAIS deshalb nicht allein über eine bestimmte Knochenform oder einen Winkel, sondern über das Zusammenspiel von Symptomen, klinischen Zeichen und Bildgebung. Ob und wann ein solcher Kontakt entsteht, hängt unter anderem von der knöchernen Morphologie und Orientierung ab; in der operativen FAIS-Studie waren beispielsweise Alpha-Winkel und Femurversion mit dem beobachteten Impingementwinkel assoziiert.12 Bei symptomatischem FAIS kann die konservative Behandlung deshalb zunächst eine Modifikation provokanter Positionen umfassen, insbesondere tiefer Hüftbeugung und Flexion mit Innenrotation; auch bestimmte Adduktions-/Pivotbewegungen können angepasst werden.16

FEE-Praxisregel für die Good-Morning-Tiefe

Jage keinem Winkel hinterher. In der direkten Good-Morning-Studie lag die mittlere Hüftbeugung bei etwa 75°; ein Good-Morning-spezifischer Vorteil eines gezielten Überschreitens von 90° ist in der hier verwendeten Evidenz nicht gezeigt.2 Als konservative Praxisableitung ist deshalb sinnvoll, einen Bewegungsumfang zu nutzen, in dem Hantel, Hüfte und Rumpf reproduzierbar kontrolliert bleiben und die Hüfte gut toleriert.6 Bei schmerzhaftem Einklemmen vorne in Hüfte/Leiste, schmerzhaftem Schnappen oder Blockieren sollte die provozierende Tiefe reduziert und bei anhaltenden Beschwerden fachlich abgeklärt werden.1316 Das ist kein experimentell bestimmter Good-Morning-Sicherheitswinkel.

Häufige Fehler bei Good Mornings

Tabelle 2: Häufige Ausführungsprobleme und sinnvollere Korrekturen.
ProblemWas passiert?Sinnvollere KorrekturWarum?
Aus der Kniebeuge statt aus der Hüfte arbeitenDie Knie wandern stark nach vorn und beugen sich immer weiter.Last reduzieren, Knieposition nach dem Start relativ ruhig halten und die Hüfte bewusst nach hinten führen.Good Mornings sollen primär ein Hip-Hinge-Muster bleiben.1
„So tief wie möglich“ erzwingenDie Endposition wird zum Selbstzweck; Kontrolle oder Hantelposition verschlechtern sich. Bei symptomatischer Hüfte können tiefe provokante Positionen Beschwerden auslösen.16Bewegungsumfang an die kontrollierbare und gut tolerierte Hüftbeugung anpassen; keinen Zielwinkel erzwingen.Für eine bestimmte Mindesttiefe oder einen Good-Morning-spezifischen „sicheren Maximalwinkel“ gibt es keinen belegten Universalwert. Die direkte Good-Morning-Studie lag im Mittel bei etwa 75° Hüftbeugung.2
Übertrieben „Rücken gerade“ machenManche Trainierende pressen sich in ein starkes Hohlkreuz, weil „gerade“ als „maximal durchgestreckt“ verstanden wird.Eine kontrollierte, individuell natürliche Wirbelsäulenstellung wählen.Die Technikliteratur beschreibt eine kontrollierte Rumpfposition; zudem erlaubt die Kreuzschmerz-Evidenz keine einfache Gleichung „mehr Lumbalflexion = Ursache von Kreuzschmerz“.19
Last zu schnell steigernTechnik verändert sich deutlich, obwohl nur das Gewicht steigen sollte.Gewicht erst steigern, wenn Wiederholungen unter gleicher Zieltechnik reproduzierbar sind.Akute Daten zeigen, dass steigende Last die Bewegungsausführung beeinflussen kann.2
Hantel unangenehm auf dem Nacken positionierenDruck entsteht direkt auf empfindlichen knöchernen Strukturen.Stabile Position auf dem oberen Rücken wählen und Griff/Hantelablage individuell anpassen.Die übliche Technik positioniert die Hantel über dem oberen Trapez-/Schulterbereich.1
Schwung statt KontrolleDie Umkehr wird hektisch und die gewünschte Position schwer reproduzierbar.Last reduzieren und die Bewegung kontrolliert ausführen.Der Technikreview beschreibt Good Mornings als kontrollierte Hip-Hinge-Übung; die Übungsauswahl und Last sollten zur beherrschbaren Technik passen.1

Tabelle auf kleinen Displays seitlich verschieben.

Individuelle Unterstützung Wenn eine allgemeine Anleitung für deine Situation nicht reicht

Ein Technikartikel erklärt das Bewegungsmuster. Wenn du wissen möchtest, welche Ausführung zu deinen Voraussetzungen passt oder wie deine eigenen Wiederholungen aussehen, kann individuelle Beratung sinnvoll sein.

Eine konkrete Technikfrage klären

Für eine einzelne, klar abgegrenzte Frage zu Good Mornings, Bewegungsumfang oder Übungsauswahl – ohne ausführliche Vorabprüfung.

Kurzberatung ansehen

Übungsvideo oder Trainingsplan prüfen lassen

Wenn vor dem Termin ein Technikvideo, mehrere Fragen oder dein Trainingsplan fachlich gesichtet werden sollen, ist eine vorbereitete Expert Session die passendere Option.

Expert Session ansehen

Transparenzhinweis: Die Links führen zu eigenen Angeboten von Olaf Henning. Je nach Anliegen unterscheiden sich Live-Zeit und Vorbereitung. Die Angebote sind keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

Good Morning vs. Romanian Deadlift: Was ist der Unterschied?

Good Morning und Romanian Deadlift (RDL) gehören beide zur Hip-Hinge-Familie. Beim RDL hältst du die Hantel jedoch in den Händen vor dem Körper; beim Good Morning liegt sie auf dem oberen Rücken. Dadurch ändern sich Lastposition, Anforderungen an den Griff und die konkrete Mechanik der Übung.1

Wichtig für die Evidenz: Die biomechanische Studie von Schellenberg et al. verglich Good Mornings mit konventionellem Kreuzheben, nicht mit dem Romanian Deadlift.8 Direkte Aussagen wie „Good Mornings belasten die Wirbelsäule mehr/weniger als RDLs“ lassen sich daraus deshalb nicht sauber ableiten.

Vergleich von Good Morning mit Langhantel auf dem Rücken und Romanian Deadlift mit Langhantel in den Händen
Good Morning vs. Romanian Deadlift: Beide Übungen werden als Hip-Hinge-Varianten eingesetzt; der unmittelbar sichtbare technische Unterschied ist die Lastposition: beim Good Morning auf dem oberen Rücken, beim Romanian Deadlift in den Händen.115 Bildhinweis: Dieses Bild wurde KI-generiert und dient der illustrativen Darstellung.
Tabelle 3: Good Morning und Romanian Deadlift praktisch verglichen.
MerkmalGood MorningRomanian DeadliftEvidenz-Einordnung
LastpositionLanghantel auf dem oberen Rücken.1Langhantel wird in den Händen vor dem Körper gehalten.1Klarer technischer Unterschied.
BewegungsmusterHip Hinge mit relativ kleiner Kniebewegung.1Hip Hinge mit relativ kleiner Kniebewegung.115Beide werden als hüftdominante Langhantelübungen eingesetzt; die genaue Kinematik hängt von Technik und Last ab.
GriffkraftDer Griff dient primär der Stabilisierung der Hantel auf dem Rücken.1Beim Romanian Deadlift wird die Hantel während der Wiederholungen in den Händen gehalten.4Der Review zu Good Mornings nennt die geringere Griffanforderung als möglichen Auswahlgrund.1
Akute Hamstring-EMGRelevante Aktivität vorhanden.4In einer kleinen Vergleichsstudie war die Hamstring-Aktivität beim Romanian Deadlift höher als beim Good Morning.4Akuter Laborbefund bei zwölf trainierten Männern; kein Beweis für langfristig mehr Muskelaufbau.5
Langfristige ÜberlegenheitDer hier zitierte direkte Vergleich ist eine kleine akute EMG-Studie und keine Langzeitstudie zu Hypertrophie, Kraft oder Verletzungen.4Aus Akut-EMG lässt sich keine langfristige „Gewinnerübung“ ableiten.5

Tabelle auf kleinen Displays seitlich verschieben.

Welche Variante solltest du wählen?

Wenn Good Mornings technisch kontrollierbar und die Hantelposition gut verträglich sind, können sie eine sinnvolle Hip-Hinge-Variante sein. Der Technikreview nennt insbesondere die geringere Griffanforderung gegenüber Varianten mit in den Händen gehaltener Last als möglichen Auswahlgrund.1 Eine Pflicht, Good Mornings zusätzlich zu einem bereits sinnvoll aufgebauten Krafttraining einzusetzen, lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie viele Sätze und Wiederholungen sind sinnvoll?

Für Good Mornings gibt es keine überzeugende Forschung, die eine spezielle optimale Satz-/Wiederholungs-Kombination festlegt. Die aktuelle Position des American College of Sports Medicine (ACSM) zeigt für Krafttraining insgesamt, dass verschiedene Programme wirksam sein können und dass Belastung, Volumen und Frequenz zum Ziel passen sollten.14

Die folgende Dosierung ist deshalb ausdrücklich eine FEE-Praxisableitung aus allgemeinen Krafttrainingsprinzipien und den technischen Eigenschaften der Übung – kein Good-Morning-spezifisch validiertes Protokoll.

Tabelle 4: Praktischer Einstieg in Good Mornings – keine universelle Pflichtdosierung.
Ziel / PhaseVariantePraktischer StartWorauf achten?
Bewegung lernenHip Hinge ohne Last, Besenstiel/PVC oder sehr leichte Stange2–3 Sätze × 6–10 ruhige WiederholungenBewegungsweg und Kontrolle vor Laststeigerung.
Allgemeines Kraft-/MuskeltrainingLeichte bis moderate LanghantellastPragmatischer Start: 2–3 Sätze in einem Wiederholungsbereich, in dem die Technik stabil bleibtMit deutlicher Technikreserve trainieren; Muskelversagen ist für allgemeine Kraft-/Hypertrophieanpassungen nicht erforderlich.14
ProgressionMehr Last, mehr kontrollierter Bewegungsumfang oder anspruchsvollere Variantejeweils nur schrittweiseNicht gleichzeitig Gewicht, Tiefe und Ermüdung aggressiv steigern.

Tabelle auf kleinen Displays seitlich verschieben.

Einordnung: Die Werte in Tabelle 4 sind eine FEE-Praxisableitung. Die ACSM-Übersicht stützt für Krafttraining allgemein mehrere Sätze sowie ausreichend hohe Anstrengung ohne Pflicht zum Muskelversagen; sie diskutiert „near-failure“ beziehungsweise ungefähr 2–3 Wiederholungen in Reserve als mögliche Orientierung, betont aber zugleich, dass exakte RIR-Ziele nicht ausreichend bestimmt sind. Sie validiert keine spezielle Good-Morning-Wiederholungszone.14

Good-Morning-Varianten und sinnvolle Progression

  • Hip Hinge ohne Zusatzlast: sinnvoll, um das Bewegungsmuster überhaupt zu lernen.
  • Good Morning mit Stab/PVC: sehr geringe Last, Fokus auf Position und reproduzierbaren Bewegungsweg.
  • Good Morning mit leerer Langhantel: klassischer Einstieg in die belastete Variante.
  • Good Morning mit Zusatzgewicht: erst dann steigern, wenn Hantelposition, Hip Hinge und Rumpfkontrolle stabil bleiben.
  • Sitzende oder Spezialvarianten: verändern die Mechanik und sind nicht einfach dieselbe Übung „nur schwerer“. Sie sollten einen konkreten Trainingsgrund haben und nicht aus Variationssammeltrieb eingesetzt werden.

Dass eine Variante komplizierter aussieht, macht sie übrigens nicht automatisch effektiver. Der Muskel kennt keine Instagram-Reichweite. 😄

Sind Good Mornings schlecht für Rücken oder Hüfte?

Die pauschale Aussage „Good Mornings sind schlecht für die Wirbelsäule“ ist wissenschaftlich nicht belegt. Gleichzeitig wäre auch „Good Mornings sind für jeden Rücken sicher“ zu stark. Für allgemeine Hebeaufgaben fand eine systematische Übersichtsarbeit keine belastbare Evidenz dafür, dass größere Lendenwirbelsäulenbeugung allein Kreuzschmerzen verursacht oder aufrechterhält; die eingeschlossenen Studien waren jedoch von niedriger Qualität und untersuchten keine Good Mornings.9 Die Übung erzeugt unter Last relevante Anforderungen an Hüfte und Rumpf; wie gut diese vertragen werden, hängt unter anderem von Last, Technik, Trainingszustand, Ermüdung, individueller Vorgeschichte und Progression ab.28

Eine kontrollierte oder „neutrale“ Wirbelsäule macht die Hüfte dabei nicht automatisch sicher. Wirbelsäulenposition und Hüftgelenkmechanik sind getrennte Fragen. Hüftgelenkkräfte und Kontaktbedingungen werden von Gelenkstellung, äußerer Last, Muskelkräften und individueller Morphologie beeinflusst; die verfügbare Literatur unterstützt aber keinen universellen Grenzwert, nach dem beispielsweise jede Hüftbeugung über 90° schädlich wäre.6 Ebenso wenig lässt sich aus einem biomechanisch hohen Moment oder Kontaktdruck direkt ein Verletzungsrisiko berechnen.

Biomechanische Belastungswerte sind keine Verletzungsdiagnose; die zitierten Good-Morning-Studien messen mechanische Größen beziehungsweise Akutreaktionen, nicht das individuelle Verletzungsrisiko.278 Als praktische Konsequenz sollte Belastung schrittweise und kontrollierbar aufgebaut werden; allgemeine Krafttrainingsevidenz unterstützt progressive, zielangepasste Programmierung.14

Wann solltest du die Übung abbrechen oder fachlich abklären lassen?

Bei starken oder ungewohnten Rückenschmerzen mit neuen beziehungsweise zunehmenden neurologischen Symptomen – etwa deutlicher Muskelschwäche, ausgeprägter Sensibilitätsstörung oder Blasen-/Darmstörung – sowie nach relevantem Trauma sollte Training pausiert und zeitnah medizinisch abgeklärt werden; solche Befunde gehören zu den Warnhinweisen, die in Leitlinien eine weiterführende diagnostische Beurteilung begründen.17 Für die Hüfte gilt zusätzlich: wiederkehrender vorderer Leisten-/Hüftschmerz, schmerzhaftes Einklemmen, schmerzhaftes Schnappen oder Blockieren – besonders in provokanten tiefen Positionen – sollte nicht als normaler Trainingsreiz behandelt werden. Bei bekanntem symptomatischem FAIS sollte der Bewegungsumfang anhand der Beschwerden und klinischen Situation individuell angepasst werden.1316 Nach Hüftoperationen gelten die individuellen Vorgaben der behandelnden Fachpersonen; dieser allgemeine Artikel ersetzt keine postoperative oder medizinische Untersuchung.

Für wen sind Good Mornings sinnvoll – und wann sind Alternativen praktischer?

Good Mornings können sinnvoll sein, wenn du ein belastetes Hip-Hinge-Muster trainieren möchtest, die Hantelposition gut tolerierst und die Übung kontrolliert ausführen kannst. Der Technikreview nennt außerdem eine mögliche praktische Rolle, wenn das Halten einer Langhantel in den Händen – etwa wegen limitierender Griffkraft oder einer oberen Extremität – weniger gut möglich ist.1

Alternativen sind unter anderem Romanian Deadlifts, Kreuzhebe- und andere Hüftstreckvarianten. Welche davon passt, hängt vom Trainingsziel, der restlichen Trainingsplanung und der individuellen Verträglichkeit ab; aus der allgemeinen Krafttrainingsevidenz folgt keine Pflicht zu einer einzelnen Übung.14 Eine Übung ist kein Persönlichkeitstest: Wenn Good Mornings nicht zu dir passen, musst du dem Eisen keine emotionale Erklärung schreiben. 😉

FAQ zu Good Mornings

Welche Muskeln trainieren Good Mornings?

Vor allem die hüftstreckenden Hamstrings, die Gesäßmuskulatur und die Rückenstrecker sind beteiligt. Die Übung ist aber eine Mehrgelenkbewegung und isoliert keinen einzelnen Muskel.12

Sind Good Mornings eine Übung für den unteren Rücken?

Die Rückenstrecker arbeiten deutlich mit, aber Good Mornings sind besser als Hip-Hinge- beziehungsweise Hüftstreckübung zu verstehen. Hamstrings und Gesäßmuskulatur tragen ebenfalls wesentlich bei.1

Wie tief muss ich bei Good Mornings gehen?

Es gibt keinen belegten Universalwinkel. In einer direkten Good-Morning-Studie lag die Hüftbeugung am tiefsten Punkt über verschiedene Lasten im Mittel bei ungefähr 75°. Parallel zum Boden zu kommen oder mehr als 90° Hüftbeugung zu erreichen ist keine Pflicht.2

Ist Hüftbeugung über 90° bei Good Mornings gefährlich?

Ein pauschales Ja oder Nein wäre wissenschaftlich falsch. 90° sind kein universeller Schadensgrenzwert: Gesunde junge Erwachsene können bei anderen Aufgaben deutlich mehr Hüftbeugung erreichen, während bei symptomatischem femoroacetabulärem Impingement ein ungünstiger Kontakt auch unter 90° auftreten kann. Für Good Mornings ist kein Zusatznutzen extremer Tiefe belegt; deshalb ist es sinnvoller, einen kontrollierten und gut tolerierten Bewegungsumfang zu nutzen als gezielt einen Winkel zu überschreiten.61112

Soll der Rücken bei Good Mornings komplett gerade sein?

„Gerade“ ist missverständlich. Der Technikreview beschreibt eine kontrollierte Rumpfposition; gleichzeitig zeigt die Kreuzschmerz-Literatur nicht, dass mehr Lendenwirbelsäulenbeugung beim Heben für sich allein zuverlässig Kreuzschmerz verursacht. Eine individuell kontrollierte Position ist deshalb sinnvoller als die Vorgabe, die Wirbelsäule künstlich vollkommen „gerade“ zu machen.19

Sind Good Mornings besser als Romanian Deadlifts?

Das ist nicht belegt. Beide sind Hip-Hinge-Varianten mit unterschiedlicher Lastposition. Eine kleine EMG-Studie fand beim Romanian Deadlift eine höhere Hamstring-Aktivität als beim Good Morning; daraus lässt sich aber keine langfristige Überlegenheit für Muskelaufbau oder Kraft ableiten.45

Sind Good Mornings gefährlich?

Eine pauschale Einstufung als gefährlich ist nicht durch direkte Verletzungsstudien belegt. Die Übung erzeugt jedoch relevante mechanische Anforderungen. Deshalb sollten Last, Bewegungsumfang und Progression zur individuellen Belastbarkeit passen.28

Wie viel Gewicht sollte ich bei Good Mornings nehmen?

Es gibt keine universelle Kilogrammzahl. Die Good-Morning-Laststudie beschreibt Reaktionen auf 50–90 % des individuellen 1RM, ist aber keine Einstiegs- oder Sicherheitsstudie.2 Praktisch sollte die Last so gewählt werden, dass der geplante Bewegungsweg reproduzierbar kontrolliert bleibt; allgemeine Krafttrainingsleitlinien unterstützen eine schrittweise, zielangepasste Belastungssteuerung.14

Fazit

Good Mornings sind eine anspruchsvolle, aber gut skalierbare Hip-Hinge-Übung. Sie beanspruchen vor allem die hüftstreckende hintere Oberschenkelmuskulatur, die Gesäßmuskulatur und die Rückenstrecker. Entscheidend sind ein kontrolliertes Bewegungsmuster, eine passende Last und ein individueller Bewegungsumfang – nicht der Versuch, möglichst tief oder möglichst schwer zu arbeiten.12

Für das Hüftgelenk lässt sich weder „über 90° ist gefährlich“ noch „mit neutralem Rücken ist jede Tiefe sicher“ seriös behaupten. Die direkte Good-Morning-Forschung arbeitete im Mittel mit etwa 75° Hüftbeugung; Gelenkmechanik und mögliche Impingement-Situationen hängen zusätzlich von Last, Muskelkräften, Becken-/Beinposition, Hüftmorphologie und Symptomen ab.2613 Als konservative Praxisableitung sollte extreme Tiefe deshalb nicht als Qualitätsmerkmal behandelt werden.26

Die wissenschaftliche Datenlage ist für die Übung selbst relativ klein und überwiegend akut beziehungsweise biomechanisch. Sie reicht aus, um Technik und Muskelbeteiligung sinnvoll einzuordnen. Sie reicht aber nicht aus, um Good Mornings zur „besten“ Hamstring-Übung zu erklären, eine bestimmte Variante als verletzungspräventiv zu verkaufen oder aus EMG-Werten langfristigen Muskelaufbau vorherzusagen.4105

Fachliche Einordnung

Dieser Beitrag wurde auf Basis aktueller trainingswissenschaftlicher Fachliteratur und der verfügbaren direkten Good-Morning-Studien überarbeitet. Einzelne Laborbefunde werden bewusst nicht als Beweis für langfristige Trainingsanpassungen oder Verletzungsrisiken dargestellt. Praktische Dosierungsvorschläge sind als FEE-Praxisableitung gekennzeichnet, wenn keine Good-Morning-spezifischen Langzeitdaten vorliegen.

Autor & fachlicher Hintergrund

Olaf Henning ist Sportwissenschaftler (M.Sc. Clinical Exercise Science, M.A. Sportwissenschaft, B.Sc. Sport und Leistung). Fitness Einfach Erklärt verbindet trainingswissenschaftliche Evidenz mit verständlicher praktischer Einordnung. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder therapeutische Beratung.

Welche Quelle trägt welche Aussage?

Tabelle 5: Claim-Source-Mapping der wichtigsten Aussagen.
AussageQuellenbasisEvidenzgrenze
Good Morning = Langhantel-Hip-Hinge; typische Technik und ÜbungsauswahlRoss et al. 2024; NSCA 2016Technikreview/Manual, keine Langzeit-Wirksamkeitsstudie.
Hamstrings und Gesäß als HüftstreckerNeumann 2010; Ross et al. 2024Anatomisch-biomechanische Einordnung; keine isolierte Wirkung der Good-Morning-Übung.
Last beeinflusst Good-Morning-EMG und TechnikVigotsky et al. 2015Kleine Akutstudie mit 15 trainierten Männern.
Akute Muskelaktivität verschiedener Hamstring-ÜbungenMcAllister et al. 201412 trainierte Männer, einzelne Wiederholungen; keine Hypertrophiestudie.
Biomechanische Unterschiede Good Morning vs. DeadliftSchellenberg et al. 2013Kleine biomechanische Studie; Vergleich mit konventionellem Deadlift, nicht RDL; keine Verletzungsstudie.
Modellierte Muskelkräfte bei ÜbungenSchellenberg et al. 2017Musculoskeletal Modeling; keine direkte Messung langfristiger Anpassungen.
EMG darf nicht als direkter Proxy für Hypertrophie interpretiert werdenVigotsky et al. 2018, 2022Methodische Einordnung der Aussagekraft von Oberflächen-EMG.
Allgemeine KrafttrainingsprogrammierungCurrier et al. 2026ACSM Overview of Reviews; nicht Good-Morning-spezifisch.
Lendenwirbelsäulenbeugung beim Heben und KreuzschmerzSaraceni et al. 2020Systematischer Review mit überwiegend niedrigqualitativen Daten zu Hebeaufgaben; keine Good-Morning-spezifische Sicherheitsstudie.
Good-Morning-Hüftbeugung am tiefsten Punkt lag in der direkten Laststudie im Mittel bei ungefähr 75°Vigotsky et al. 201515 trainierte Männer; akute Laborstudie, kein Sicherheits- oder Optimalwinkel-Nachweis.
Hüftgelenk-Kontaktdruck/-kräfte hängen von Last, Gelenkstellung, Labrum und individueller Morphologie abDantas et al. 2023Scoping Review heterogener In-vivo-/Kadaverstudien; keine universelle Winkelschwelle ableitbar.
Hüftbeugung >90° kann bei gesunden jungen Erwachsenen bei tiefen Kniebeugen vorkommenVan Houcke et al. 202035 junge sportliche Erwachsene; personalisierte Modellierung bei Kniebeugen, keine Good-Morning- oder Langzeit-Sicherheitsstudie.
Impingement kann bei symptomatischem FAIS auch deutlich unter 90° Hüftbeugung auftretenJohnson et al. 2026; Griffin et al. 2016Johnson: operative FAIS-Population, nicht auf gesunde Hüften übertragbar. Warwick: Diagnose erfordert Symptome + klinische Zeichen + Bildgebung.
Bei symptomatischem FAIS kann die Reduktion provokanter tiefer Flexions-/Rotationspositionen Teil konservativer Behandlung seinPasculli et al. 2023Klinischer Review zu FAIS; keine generelle Bewegungsbeschränkung für asymptomatische gesunde Personen.
Neurologische Defizite, Blasen-/Darmstörungen und relevantes Trauma bei Rückenschmerz sind Warnhinweise für weiterführende AbklärungVA/DoD Clinical Practice Guideline 2022Allgemeine Kreuzschmerz-Leitlinie; keine Good-Morning-spezifische Diagnostik.

Tabelle auf kleinen Displays seitlich verschieben.

Literaturverzeichnis

  1. Ross S, Comfort P, McMahon JJ. The Good Morning—Exercise Technique and Exercise Selection Principles. Strength & Conditioning Journal. 2024;46(3):378–382. DOI: 10.1519/SSC.0000000000000802.
  2. Vigotsky AD, Harper EN, Ryan DR, Contreras B. Effects of load on good morning kinematics and EMG activity. PeerJ. 2015;3:e708. PubMed. DOI: 10.7717/peerj.708.
  3. Neumann DA. Kinesiology of the hip: a focus on muscular actions. J Orthop Sports Phys Ther. 2010;40(2):82–94. PubMed. DOI: 10.2519/jospt.2010.3025.
  4. McAllister MJ, Hammond KG, Schilling BK, Ferreria LC, Reed JP, Weiss LW. Muscle activation during various hamstring exercises. J Strength Cond Res. 2014;28(6):1573–1580. PubMed. DOI: 10.1519/JSC.0000000000000302.
  5. Vigotsky AD, Halperin I, Trajano GS, Vieira TM. Longing for a Longitudinal Proxy: Acutely Measured Surface EMG Amplitude is not a Validated Predictor of Muscle Hypertrophy. Sports Med. 2022;52(2):193–199. PubMed. DOI: 10.1007/s40279-021-01619-2.
  6. Dantas P, Gonçalves SR, Grenho A, Mascarenhas V, Martins J, Tavares da Silva M, et al. Hip joint contact pressure and force: a scoping review of in vivo and cadaver studies. Bone Joint Res. 2023;12(12):712–721. PubMed. DOI: 10.1302/2046-3758.1212.BJR-2022-0461.R2.
  7. Schellenberg F, Taylor WR, Lorenzetti S. Towards evidence based strength training: a comparison of muscle forces during deadlifts, goodmornings and split squats. BMC Sports Sci Med Rehabil. 2017;9:13. PubMed. DOI: 10.1186/s13102-017-0077-x.
  8. Schellenberg F, Lindorfer J, List R, Taylor WR, Lorenzetti S. Kinetic and kinematic differences between deadlifts and goodmornings. BMC Sports Sci Med Rehabil. 2013;5:27. PubMed. DOI: 10.1186/2052-1847-5-27.
  9. Saraceni N, Kent P, Ng L, Campbell A, Straker L, O'Sullivan P. To Flex or Not to Flex? Is There a Relationship Between Lumbar Spine Flexion During Lifting and Low Back Pain? A Systematic Review With Meta-analysis. J Orthop Sports Phys Ther. 2020;50(3):121–130. PubMed. DOI: 10.2519/jospt.2020.9218.
  10. Vigotsky AD, Halperin I, Lehman GJ, Trajano GS, Vieira TM. Interpreting Signal Amplitudes in Surface Electromyography Studies in Sport and Rehabilitation Sciences. Front Physiol. 2018;8:985. PMC. DOI: 10.3389/fphys.2017.00985.
  11. Van Houcke J, Galibarov PE, Van Acker G, Fauconnier S, Allaert E, Van Hoof T, et al. Personalized hip joint kinetics during deep squatting in young, athletic adults. Comput Methods Biomech Biomed Engin. 2020;23(1):23–32. PubMed. DOI: 10.1080/10255842.2019.1699539.
  12. Johnson BT, Hunter CDR, Metz AK, Rounds ADR, Singh A, Aoki SK. Impingement in Patients With Femoroacetabular Impingement Syndrome Routinely Occurs Below 90° of Hip Flexion. Arthroscopy. 2026;42(1):125–132. PubMed. DOI: 10.1002/arj.70005.
  13. Griffin DR, Dickenson EJ, O'Donnell J, Agricola R, Awan T, Beck M, et al. The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome): an international consensus statement. Br J Sports Med. 2016;50(19):1169–1176. BJSM. DOI: 10.1136/bjsports-2016-096743.
  14. Currier BS, D'Souza AC, Fiatarone Singh MA, et al. American College of Sports Medicine Position Stand. Resistance Training Prescription for Muscle Function, Hypertrophy, and Physical Performance in Healthy Adults: An Overview of Reviews. Med Sci Sports Exerc. 2026;58(4):851–872. PMC. DOI: 10.1249/MSS.0000000000003897.
  15. National Strength and Conditioning Association. Exercise Technique Manual for Resistance Training. 3rd ed. Champaign, IL: Human Kinetics; 2016. Bestehende Technikquelle des bisherigen FEE-Artikels; in der Revision nur für grundlegende Übungstechnik, nicht für neue Wirksamkeits- oder Sicherheitsclaims verwendet.
  16. Pasculli RM, Callahan EA, Wu J, Edralin N, Berrigan WA. Non-operative Management and Outcomes of Femoroacetabular Impingement Syndrome. Curr Rev Musculoskelet Med. 2023;16(11):501–513. PubMed. DOI: 10.1007/s12178-023-09863-x.
  17. Department of Veterans Affairs, Department of Defense. VA/DoD Clinical Practice Guideline for the Diagnosis and Treatment of Low Back Pain. Version 3.0. Washington, DC; 2022. Clinical Practice Guideline.
Nach oben scrollen